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Der Berufswissenschaftler Anton Strittmatter hielt einen Vortrag zum Thema Berufsstolz und Berufstreue.
1/2 Bild: z.V.g. Der Berufswissenschaftler Anton Strittmatter hielt einen Vortrag zum Thema Berufsstolz und Berufstreue.
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Die Kreuzlinger Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger begleitete den Vortrag.
2/2 Bild: z.V.g. Die Kreuzlinger Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger begleitete den Vortrag.
27.03.2019 09:52

Wie man dem Beruf treu bleibt

Um Berufsstolz und Berufstreue ging es am 8. März bei einem Fachvortrag der OdA GS Thurgau (Organisation der Arbeitswelt Gesundheit und Soziales) in Weinfelden. Den Vortrag des Berufswissenschaftlers Anton Strittmatter begleitete die Kreuzlinger Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger mit viel Humor.

Weinfelden Die Gründe für die Flucht aus den Gesundheits- und Sozialberufen ähneln sich sehr häufig: psychische und physische Belastung, unattraktive Arbeitszeiten, ungenügende Entlöhnung oder mangelnde Anerkennung. Dabei starten Berufsanfängerinnen und -anfänger in der Regel voller Ideale. Der Berufswissenschafter und Organisationsberater Anton Strittmatter findet: «Ihr habt einen schönen Beruf, der mit dem Leben zu tun hat.» Seine Zuhörerinnen und Zuhörer sind vor allem Führungskräfte oder Berufsbildner aus Gesundheits- und Sozialberufen. Eingeladen zur Fachtagung hat Brigitte Betschart, Geschäftsleiterin der OdA GS Thurgau: «Wir sind miteinander unterwegs, Fachkräfte zu gewinnen und wünschen uns eine langjährige Treue gegenüber dem Beruf. Doch wie kann Berufstreue und Berufsstolz entwickelt werden?»

Ein Vertrag für offenes Sprechen

Um die Zufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gewährleisten, brauche es eine gute Feedback-Kultur, ist Strittmatter überzeugt. Mitarbeitergespräche sollten nicht als «Alibi-Gespräche» geführt werden, nur damit es erledigt sei. Für ein Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb und das Eingebundensein im Team sei es wichtig, dass die Leitungen ihre Mitarbeiter wahrnehmen. «Sie brauchen Ankerkennung und Respekt», so der Berater. Führungspersonen müssten wissen, wie es ihren Mitarbeitern geht. «Das Schlimmste ist, wenn man weiss, dass hinterm Rücken geredet wird und niemand traut es sich der Führung zu sagen.» Der Berufsstatus trage zunächst viel dazu bei, auf seinen Beruf stolz sein zu können: «Der Beruf muss sich zu dem, was alle Leute können, unterscheiden», meint Strittmatter. «Wenn die Leute sagen ‹Füdli putzen kann ich auch, aber ihr bekommt da Geld dafür›, muss man gut argumentieren können, warum man etwas macht.» Wer gute Argumente habe, bekomme Respekt. «Das sind dann gute Botschafter für einen Beruf.» Ausserdem sei die Profession wichtig für den Berufsstolz. Dazu gehöre, dass es einen Berufsethos und gemeinsame Regeln gibt, für die sich die Ausübenden einsetzen. Unter dem Stichwort Feedback-Vertrag erläuterte Strittmatter einige Regeln für ein gutes Miteinander im Team. Das bedeute, dass Feedback sowohl gegeben als auch angenommen werden müsse. «Und es ist wichtig, dass es ausgesprochen wird, wenn einem etwas schief erscheint.» Respektvolles Begegnen, selbst in kritischen Situationen, ohne die Würde des Gegenübers zu verletzen, könne in einem Team viel bewirken. Berufs- und Betriebstreue basierten schliesslich auf einem guten Arbeitsklima. Neben den Betrieben sei hier die Politik gefordert, die Bedingungen in diesen Berufen zu verbessern. «Arbeiterinnen und Arbeiter sind nicht machtlos. Sie können auf der politischen Bühne Kräfte aktivieren», so Strittmatter.

Puppen bringen es auf den Punkt

Rahel Wohlgensinger lockerte die Theorie mit anschaulichen kleinen Intermezzi auf: Die Puppenspielerin bot mit ihren verschiedenen Charakteren wie Hund Monty oder Biber the Kid ein Identifikationsangebot für verschiedene Probleme aus dem Berufsalltag an. Ob das die Mutter ist, die ein krankes Kind Zuhause versorgen und den Spagat zwischen Familie und Beruf bewältigen muss oder ein Mitarbeiter, der sich selbst überschätzt oder aber unterschätzt fühlt – Wohlgensinger brachte einige Beispiele mit viel Witz auf den Punkt. Sie bewies, dass Puppenspiel bei weitem nicht nur etwas für Kinder ist, sondern auch Erwachsene bei tiefgründigen Themen emotional abholen kann. Das Publikum gab der Künstlerin und dem Referenten abschliessend ein durchweg positives Feedback. «Ich habe heute viel über mich herausgefunden, sowohl als leitende Person als auch als Lernende und habe ich mich selbst in Frage gestellt», sagte eine Teilnehmerin. Eine andere empfand den Morgen als einen riesen Gewinn für sich: «Durch den Vortrag habe ich viel neuen Input und Ideen bekommen, um im Betrieb wieder ein bisschen genauer hinzuschauen.»

red