Symbolbild
Weil er seine Rinder und Schafe mehrfach vergewaltigt hat, wird ein Jungbauer zu zehn Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt.
1/1 Symbolbild Weil er seine Rinder und Schafe mehrfach vergewaltigt hat, wird ein Jungbauer zu zehn Monaten Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt.
26.09.2019 08:59

Sex mit Tieren: Landwirt vergeht sich an Vieh

Ein 30-jähriger Landwirt aus der Region Bischofszell stand vergangene Woche vor dem Bezirksgericht Weinfelden. Die Anklagepunkte: mehrfache Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. Der Beschuldigte ist geständig und wird zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt. Auf ein Tierhalteverbot verzichtet das Gericht und lobt die Ehrlichkeit des Angeklagten.

Weinfelden Er trägt ein olivfarbenes T-Shirt, eine schwarze Hose und eine Art Wanderschuhe. Er wirkt nervös. Drückt sich die Finger zusammen, streicht sich die Hände immer wieder an den Oberschenkeln ab. Neben dem 30-jährigen Hauptangeklagten sitzt sein Vater als Nebenbeklagter. Der junge Mann im grünen T-Shirt wird in den Zeugenstand gerufen. Einen Verteidiger haben weder Vater noch Sohn zur Seite.

Zwischen 2015 und 2019 soll der Angeklagte, der für die Versorgung und Pflege der Schafe auf dem elterlichen Hof verantwortlich ist, die männlichen Lämmer ohne Schmerzausschaltung durch Zuführung des örtlich wirkenden Betäubungsmittels Lidocain kastriert haben. Dies, in dem er ihnen einen Gummiring um die Hoden gewickelt hat. Auf die Frage des Richters, was er denn dazu sagt, meinte der Angeklagte: «Ich wusste nicht, dass dies gleich einen Strafprozess nach sich zieht. Ich dachte das gebe einfach eine Verwarnung.» Dies, obwohl er auch aussagt, gewusst zu haben, dass er den Lämmern damit Schmerzen zuführe. Der Angeklagte gesteht und beteuerte, die Kastrationen künftig vom Tierarzt durchführen zu lassen.

Der unwissende Angeklagte

Der Richter legt das Dossier zur Seite und kommt zur nächsten Anklageschrift. Im Zeitraum Herbst 2011 bis Sommer 2018 soll der Angeklagte in ungefähr monatlichen Abständen auf dem elterlichen Hof, wie auch auf anderen Höfen, auf denen er tätig war, sexuelle Handlungen an und mit weiblichen und männlichen Tieren durchgeführt haben. So vergewaltigte er mehrfach weibliche Schafe, Kühe, Kälber, Ziegen, Schweine und Hunde. Ebenso liess er sich im genannten Zeitraum von Kälbchen am Penis saugen. Daneben liess er sich von einem Schafbock besteigen und anal in sich eindringen. Als er das Gleiche mit einem 300 Kilo schweren Jungstier versuchte, wurde er verletzt und musste sich ärztlich behandeln lassen. Als der Richter auch nach dem Vorlesen dieser Anklagepunkte fragte, was er, der Beschuldigte denn dazu sage, meinte dieser, dass er nicht wusste, dass das hier heute besprochen werde. Er wurde nervös. Anscheinend hatte sein Vater, der noch immer im Gerichtssaal sass, nichts von der sexuellen Neigung seines Sohnes gewusst. Später sagt dieser aus, er habe schon das Gefühl gehabt, dass sein Sohn eher in sich gekehrt und ruhig sei, von seiner Neigung habe er aber nichts gewusst und auch nie etwas bemerkt. Der beschuldigte junge Landwirt stritt keinen der Vorwürfe ab. Wieso er dies getan habe, erklärt er mit seiner sexuellen Lust. «Sex vor der Ehe sei ohnehin eine schlimme Sünde und die Tiere können es wenigstens niemandem sagen», meinte er. Was er den Tieren damit angetan hat, scheint der Beschuldigte nicht einzusehen. «Ich denke die Tiere spüren nicht viel. Und grad ein Schafbock hätte mich ja nicht bestiegen, wenn er es nicht gewollt hätte», sagte er aus.

Seit Juni kein Vergehen mehr

Nachdem der Beschuldigte wegen des fehlgeschlagenen Geschlechtsaktes mit dem Jungstier im Spital in Behandlung war, empfahl man ihm eine Psychotherapie. Diese habe er auch begonnen, aber nach kurzer Zeit wieder abgebrochen, weil sie ihm nichts gebracht habe. Seit Juni diesen Jahres habe er kein Tier mehr geschändet, beteuert er. Das Aufhören sei aber schwierig. Er vergleicht es mit dem Rauchen. Es sei wie eine Sucht, von der man nicht so leicht loskomme. Als Sexobjekt habe er seine Tiere aber nie angeschaut. Sie seien ihm auch wichtig und als Landwirt Teil seiner Arbeit und seines Alltags. «In der Landwirtschaft brauche ich meine Tiere genauso wie meine Maschinen», sagte er. Als ihn der Richter fragt, was er zu einem Tierhalteverbot meine, sagte er, dass er sich ein Leben ohne Tiere nicht vorstellen könne.

Kein Tierhalteverbot

Das Bezirksgericht Weinfelden sprach den Angeklagten in allen Belangen für schuldig. Aufgrund seiner Ehrlichkeit, die als seine wichtigste Charaktereigenschaft ausgeschrieben wurde, erhielt der Landwirt eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine unbedingte Busse von 4500 Franken. Für die Dauer der Probezeit von drei Jahren habe er sich in eine psychotherapeutische Behandlung zu begeben, die vom Vollzugs- und Bewährungsdienst des Kantons Thurgau begleitet und überwacht werde. Dazu trägt der Angeklagte die Verfahrenskosten. Auf ein Tierhalteverbot verzichtete das Gericht. Der Verurteilte wolle nun weiterhin als Landwirt tätig sein.

Von Tamara Schäpper