Bild: Ursi Vetter
Am 29. November fand die Sitzung der katholischen Synode in Weinfelden statt.
1/1 Bild: Ursi Vetter Am 29. November fand die Sitzung der katholischen Synode in Weinfelden statt.
04.12.2018 09:05

Resolution gegen Missbrauch angenommen

Neben dem Budget 2019 stand vor allem ein Punkt auf der Traktandenliste, der schon im Vorfeld für Gesprächsstoff gesorgt hatte. Die Resolution und Stellungnahme zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die an Bischof Felix Gmür adressiert ist, wurde auch an der Sitzung kontrovers diskutiert.

Weinfelden Synodenpräsident Dominik Diezi führte, vor der eigentlichen Behandlung des Geschäfts, noch einmal die fünf wesentlichen Punkte des von der Synodenleitung verfassten Resolutions-Entwurfs aus (siehe forumKirche Nummer 22). Jahrelang sei in der katholischen Kirche, auch durch eine pflichtzölibatär-etablierte Männergesellschaft, ein System gefördert worden, das vor allem die Täter gedeckt hätte und sich nicht um die Opfer kümmerte. Er betonte, dass mit mehr paritätisch-ausgewogenen Seelsorgeteams die Kontrollen vermutlich intensiver gewesen wären und dass die Resolution deshalb auch die Einführung der Frauenordination für wichtig und richtig erachte. Das Papier hätte aber nicht zum Ziel, grundsätzlich alle zölibatär lebenden Männer unter Generalverdacht zu stellen und sei auch nicht als Vorwurf an den Bischof zu verstehen, sondern als Rückenstärkung gedacht.

Kritik an der Tonalität

Schon zu Beginn der Sitzung herrschte ein gewisser Unmut darüber, dass das Thema bereits medial behandelt worden war, bevor die Synodalen über den ihnen vorliegenden Entwurf abstimmen konnten. Dies schlug sich auch in den Voten der Eröffnungsdiskussion nieder. So betonte Kilian Imhof aus Balterswil zwar die Wichtigkeit der Resolution, störte sich aber am Befehlston des Entwurfs. Dieser Meinung war auch Thomas Mauchle aus Hörhausen, der die Tonalität als nicht wertschätzend empfand und zudem die Vermischung unterschiedlicher Themen kritisierte. Bruno Sauder aus Kreuzlingen empfahl aufgrund einer für ihn missverständlich formulierten Passage, die dazu verleite zu glauben, alle kirchlichen Amtsträger stünden im Verdacht, ihre Macht zu missbrauchen, die Rückweisung des Antrags.

Dominik Steiner aus Tuttwil sah dafür keinen zwingenden Zusammenhang zwischen der Einführung der Frauenordination und der Forderung besserer Schutzmassnahmen, da «es in der Vergangenheit auch zu schweren Missbrauchsfällen in von Nonnen geführten Anstalten gekommen ist». Mit sechs Gegenstimmen wurde das Eintreten auf die Vorlage jedoch gutgeheissen.

Detailberatung brachte Einigung

Bei der Detailberatung meldeten sich nochmals viele der insgesamt 87 Synodalen zu Wort, um ihre Änderungsvorschläge zu den einzelnen Passagen anzubringen. Einige davon wurden in den Text integriert und gewisse Aussagen dadurch präzisiert, mehrheitlich wurde der Entwurf in seiner originalen Form beibehalten. Gaby Zimmermann aus Kreuzlingen merkte an, dass weder der Pflichtzölibat noch die Einführung der Frauenordination direkte Gründe für Missbrauchsfälle seien, denn jeder Täter sei für das, was er tue, selbst verantwortlich. Jedoch sehe sie darin einen Zusammenhang und auch die Menschen würden diesen sehen. Das Papier sei deshalb nicht nur ein Signal an den Bischof, sondern auch nach draussen. Alberto Colloti aus Frauenfeld sprach sich für die Vision einer dienenden Kirche aus, die auf Kontrollmechanismen verzichten könne. Die grosse Mehrheit war aber der Meinung, ein blosser Appell ginge zu wenig weit. Auch die Schlussabstimmung über die bereinigte Gesamtresolution fiel mehr als eindeutig aus. Mit 80 Stimmen gegen fünf Stimmen wurde sie angenommen und wird damit Felix Gmür, im Hinblick auf die vom 21. bis 24. Februar 2019 in Rom stattfindende Bischofssynode, übergeben.

Zusatzkredit für Jubiläum

Ohne Diskussion und Gegenstimmen genehmigte die Synode die übrigen Anträge. So wurde die Schaffung einer 15%-Beratungsstelle für heilpädagogischen Religionsunterricht ebenso gutgeheissen, wie das Budget der Katholischen Landeskirche für das Jahr 2019 und die Festlegung des Zentralsteuerfusses auf 4,15 %. Besondere Erwähnung fand der geplante Ausbau der Kommunikationsstelle von 30% auf 100%, der die künftige Einbindung von forumKirche und den Ausbau von Social Media vorsieht. Die neue Webseite wird ab dem 13. Dezember 2018 online gehen. Ratspräsident Cyrill Bischof erklärte, dass zu den budgetierten 20'000 Franken für das 150-Jahre-Jubiläum der Thurgauer Landeskirche im Jahr 2019/20, ein zusätzlicher Kredit von 30'000 Franken von der Landeskirche gestellt werden müsse. Dies deshalb, weil das Kulturamt des Kantons aus dem Lotteriefonds nicht soviel Unterstützung gesprochen hätte, wie ursprünglich in Aussicht gestellt wurde.

red