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Auch sie wollen auf die Petition aufmerksam machen: Die Mitarbeiterinnen der Apotheke Drogerie Aemisegger.
1/1 Bild: rab Auch sie wollen auf die Petition aufmerksam machen: Die Mitarbeiterinnen der Apotheke Drogerie Aemisegger.
05.05.2019 08:00

Ist die medizinische Grundversorgung in Gefahr?

Weil der Bundesrat Abbaumassnahmen im Gesundheitswesen plant, wehrt sich die Apothekerschaft mit einer Petition gegen die Sparmassnahmen und ist der Meinung: «Mit dem Abbau trifft man die verletzlichste Patientengruppe; chronisch Kranke sowie akut erkrankte Menschen.»

Weinfelden Mit der Petition «Auch morgen medizinisch gut umsorgt» möchten Apothekerinnen und Apotheker den Bundesrat an seine Verpflichtung erinnern: «Nämlich für eine medizinische Grundversorgung zu sorgen, die einfach zugänglich und von hoher Qualität ist und auf dem Miteinander von Apothekern, Hausärzten und Pflege beruht.» Knapp 56000 Unterschriften wurden bisher online und in den Apotheken schweizweit für die Petition gesammelt. Auf www.gut-umsorgt.ch ist zu lesen, dass sich der Verband pharmaSuisse vor allem an der geplanten Reduktion des Vertriebsanteils stört. Den Betrag, den Apotheken, Ärzte und Spitäler für ihre logistischen Leistungen erhalten. Mit den Kürzungen will der Bundesrat jährlich 50 Millionen Franken in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sparen.

«Apotheken kämpfen jetzt schon um eine Existenzberechtigung»

Unterschriften für die Petition sammeln auch die Mitarbeitenden der Apotheke Drogerie Aemisegger in Weinfelden. Auf Anfrage bei Geschäftsführer und Drogist Dominik Engeli, was mit den Apotheken passiert, wenn der Vertriebsanteil gekürzt wird, meint er: «Wir mussten bereits in den letzten 15 Jahren eine Margen-Erosion hinnehmen, welche durch die enormen Preissenkungen von rezeptpflichtigen Medikamenten entstand.» Leider würden die wirklichen Leistungen einer Apotheke von der Politik zu wenig wahrgenommen und gefördert. Durch die Abbaumassnahmen würden bisherige Gratis-Dienstleistungen plötzlich kostenpflichtig wie z.B. Notfall-Wundversorgung, Hauslieferdienste oder Blutdruckmessungen. Engeli erklärt, dass die Existenz von kleineren Apotheken, vor allem in ländlichen Gegenden oder Stadt-Quartieren damit einmal mehr gefährdet wären. «Gerade dort wäre eine gute Versorgung von Apotheken und Hausärzten wichtig.» Er ist sich sicher, dass mit den Kürzungen ein «Apotheken-Sterben» einhergehen würde. Bereits heute müssten ein Viertel der Schweizer Apotheken um eine Existenzberechtigung kämpfen. «Vor allem Apotheken, die den Löwenanteil des Umsatzes mit rezeptpflichtigen Medikamenten erwirtschaften, sind noch stärker davon betroffen», weiss Engeli.

Gefragt, wie Apotheken die Gesundheitskosten bereits jetzt schon dämpfen, antwortet Doris Clausen Caramaschi, Apothekerin der Apotheke Drogerie Aemisegger: «Apotheken sind die erste Anlaufstelle für Gesundheitsfragen und sind Profis, wenn es um Medikamente und Gesundheitsberatungen geht.» Als Präventionsmassnahmen nennt sie Darmkrebs-Stuhltests, Impfungen, Blutzuckermessungen oder Cholesterinmessungen. Ausserdem hätten Apotheken in den letzten Jahren nur alleine durch Generika-Abgaben und die Akzeptierung von Preissenkungen dazu beigetragen, dass Gesundheitskosten in Milliardenhöhe gespart werden konnten. «Der Wert der vielen kostenlosen Beratungen und Dienstleistungen ist nicht mitberechnet», so Doris Clausen Caramaschi.

Bevormundung der Apotheker

Die vom Bund zusätzlich geplante Einführung eines Referenzpreissystems für patentabgelaufene Generika soll Anreize schaffen, dass der Patient das günstigste Medikament wählt. Doch auch hier sieht Doris Clausen Caramaschi Probleme: «Das Referenzpreissystem kommt einer Bevormundung der ApothekerInnen gleich. In der Praxis sehen wir, dass nicht alle Produkte die gleiche Verträglichkeit und Wirksamkeit aufweisen. Logisch sollte der Wirkstoff «Ibuprofenum» bei allen Personen dieselbe Wirkung erzielen, aber die Wirkungsempfindung und allfällige Nebenerscheinungen werden sehr individuell wahrgenommen. So kann also in Zukunft auch der Kunde nicht mehr selber bestimmen, von welchem Anbieter er die verschriebenen Medikamente möchte.» Dominik Engeli und Doris Clausen Caramaschi sind der Ansicht, dass es bei den Sparmassnahmen im Gesundheitswesen nur ein Gewinner gibt nämlich die Krankenkassen. Obwohl in den letzten Jahrzehnten viele Sparübungen umgesetzt wurden, steigen die Prämien weiter an.

Angelina Rabener