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Dominik Diezi, Synodenpräsident: "...Zölibatär lebenden Männer sind mit der freiwillig gewählten Lebensform zudem überfordert..."
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27.02.2019 11:40

«Endlich wird die Missbrauchsproblematik von der Weltkirche wahrgenommen»

Die Gewaltenteilung und die Gerichtsbarkeit für die Verwaltung einführen – den Klerikalismus aufbrechen und dafür die Sexualmoral überdenken: Das sind laut Dominik Diezi nötige Schritte «auf dem Weg zu einer Kirche, die wieder glaubwürdig ist».

Weinfelden Der Präsident der Synode der Katholischen Landeskirche Thurgau äussert seine Einschätzung zum «Bischofstreffen zu Missbrauch und Kindesschutz» in Rom. Aus Sicht der Thurgauer Synode sei es sehr erfreulich, dass der Diözesanbischof die Anliegen der Resolution in Rom eingebracht habe: «Er hat die Synode wirklich ernst genommen. Das hat sich schon im gemeinsamen Gespräch gezeigt, als wir ihm die Resolution im Vorfeld der Bischofskonferenz persönlich übergeben durften», so Diezi.

Die Opfer im Fokus

In seiner Medienmitteilung schreibt Diezi: «Die Römer Ergebnisse lösen bei mir gemischte Gefühle aus. Erfreulich ist, dass die Missbrauchsproblematik nun von der Weltkirche in ihrer ganzen Breite als dringendes Problem wahrgenommen wird. Die Bereitschaft der Bischöfe, alles vorzukehren, um Missbrauchsfälle in Zukunft zu verhindern, erscheint glaubwürdig. Positiv zu werten ist auch der Umstand, dass der Fokus nun klar auf den Opfern liegt, denen man alle erdenklich Hilfe zukommen lassen will. Die Täter werden als das bezeichnet, was sie sind: Schreckliche Verbrecher. Allerdings könne er bei der Beseitigung der strukturellen Ursachen des Missbrauchsskandals noch keine wirklichen Fortschritte erkennen. Um den eklatanten Machtmissbrauch der Vergangenheit in Zukunft wirksam zu bekämpfen, bräuchte es dringend Schritte in Richtung Gewaltenteilung. Vordringlich wäre auch eine Verwaltungsgerichtsbarkeit, die diesen Namen verdient. Weiter wäre es an der Zeit, die geltende Sexualmoral grundlegend zu überdenken. «Solange die sexuelle Enthaltsamkeit tendenziell höher bewertet wird als ein erfülltes Sexualleben, wird sich am Pflichtzölibat und auch an der Rolle der Frauen in der Kirche wohl nichts ändern. Das Machtgefälle zwischen dem zölibatär lebenden Klerus und den gewöhnlichen Gläubigen bleibt so bestehen», schreibt Diezi.

Risikofaktor Zölibat

Gerade der übersteigerte Klerikalismus scheint dem Präsidenten eine der Hauptursachen der Missbrauchsfälle zu sein. Etliche der zölibatär lebenden Männer seien mit der freiwillig gewählten Lebensform zudem überfordert und fänden in der Kirche in ihren sexuellen Nöten nur bedingt Gesprächspartner. «Das ist ein grosser Risikofaktor, der dringend beseitigt werden sollte.» Sein Gesamtfazit: «Die Römer Bischofskonferenz ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer Kirche, die wieder glaubwürdig ist. Aber es bleibt noch sehr viel zu tun. Und die Zeit drängt.»

pd/rab