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Ihm ist die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern von Weinfelden wichtig: Gemeindepräsident Max Vögeli.
1/1 Bild: wn Ihm ist die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern von Weinfelden wichtig: Gemeindepräsident Max Vögeli.
06.02.2019 12:00

«Auf Augenhöhe mit dem Bürger»

Am kommenden Wochenende vom 9./10 Februar wählen die Weinfelder Stimmberechtigten die Exekutive für die nächste Legislaturperiode. Gemeindepräsident Max Vögeli ist kantonsweit eines der amtsältesten Gemeindeoberhäupter und er wird nach 18-jähriger Amtszeit nochmals zur Wahl antreten. Die Weinfelder Nachrichten stellt ihm ein Dutzend Fragen.

Max Vögeli, welches ist Ihre Motivation, sich für eine weitere Legislatur als Gemeindepräsident zur Verfügung zu stellen?

Ich habe Freude an meiner Arbeit und hoffe, dass man das auch spürt.

Vor ihrer Präsidialzeit waren Sie in Weinfelden tätig als Notar. Wie sieht ihr Vergleich aus zwischen diesen beiden Funktionen?

Diese beiden Aufgaben sind sehr verschieden. Als Notar ging es um eine Dienstleistung für Einzelpersonen. Als Gemeindepräsident stehen die ganze Bevölkerung und alle Unternehmungen im Fokus. Der Gemeinderat setzt die politischen Akzente und definiert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Zudem führe ich Gemeindeverwaltung.

Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass man als Gemeindepräsident vermehrt in der Kritik steht?

Für mich gehört die Kritik zum Alltag. Auch dass man in einer Sache anderer Meinung sein kann, ist kein Problem. Die Frage ist vielmehr, wie diese kommuniziert wird. Das ist auch heute noch eine Frage des Anstandes und der Fairness. Hier sind die Grenzen fliessender geworden, was auch dazu führt, dass immer öfter Anwälte und Berater beigezogen werden.

Welches waren für Sie die grössten Herausforderungen in den vergangenen 18 Jahren als Gemeindepräsident?

Das Wichtigste ist das gegenseitige Vertrauen. Die Einwohnerinnen und Einwohner müssen sich in  der Gemeinde wohlfühlen. Dabei geht es sehr oft um den persönlichen Umgang und die Kommunikation. Diese Aufgabe ist herausfordernd und ist auch die Basis einer guten politischen Kultur. Dazu kommen alle anderen täglichen Aufgaben und kleinen und grossen Projekte, die es umzusetzen gilt. Die Dienstleistung der Verwaltung ist dabei ein wichtiger Teil. Das Wort Dienstleistung besteht ja aus zwei Teilen: Dienst am Kunden und Leistung. So verstehe ich auch unsere Arbeit zugunsten der Bevölkerung.

Welches werden voraussichtlich in den kommenden vier Jahren die grössten Herausforderungen sein?

Die Attraktivität von Weinfelden als Wohn- und Arbeitsort ist und bleibt das zentrale Anliegen. Es muss uns gelingen, die hohe Lebensqualität zu erhalten. Dazu braucht es auch in Zukunft das Engagement aller Akteure. Wenn man sich das Budget und den Finanzplan ansieht, geht es konkret um den Unterhalt der vielen Infrastrukturen und auch um neue Projekte, so beispielsweise das Betriebs- und Gestaltungskonzept Bahnhof Nord mit Bushof, die Überbauung Bankstrasse sowie das Konzept zur Einführung des Ortsbusses. Im Herbst wird dann der Gemeinderat die Ziele für die neue Legislaturperiode definieren.

Sie sind bekannt als populärer und bürgernaher Gemeindepräsident. Welches ist ihr persönliches Rezept, damit man eine Gemeinde erfolgreich führen kann?

Meine Ambition ist es, Tag für Tag gute Arbeit zu leisten. Welche Tätigkeit auch immer, ich kommuniziere gerne direkt mit den Leuten. Oder anders gesagt, meine Tür ist für alle offen. Die Weinfelderinnen und Weinfelder haben zudem einen gesunden Humor. Das kommt meinem Naturell sehr entgegen.

Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage Weinfeldens für die kommenden vier Jahre?

Weinfelden ist finanziell gut aufgestellt. Wir haben auch in diesem Bereich unsere Hausaufgaben gemacht. Die Finanzkennzahlen belegen dies deutlich.

Von den sechs städtischen Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern wendet Weinfelden hinsichtlich Sozialausgaben als einzige weniger als eine Million Franken auf. Die Nettoausgaben pro Kopf liegen deutlich tiefer als der kantonale Schnitt, weshalb?

Bei den Sozialausgaben spielen viele Faktoren mit, so beispielswiese die Bevölkerungsstruktur sowie das Arbeitsplatz- und Wohnangebot. Dazu kommt die wichtige Aufgabe des Sozialamtes. Eine gute Beratung und Betreuung ist Voraussetzung, damit Sozialhilfe möglichst vermieden werden kann.

Am 1. Juni dieses Jahres wird Weinfelden gemäss neuer Gemeindeordnung zur Stadt. Was bedeutet das für sie in Ihren Ort im Zentrum des Thurgaus?

Ich bin über die Zustimmung mit 75 Prozent zur neuen Gemeindeordnung sehr erfreut. Damit ist auch die Stadtbezeichnung offiziell bestätigt worden. Für die Bevölkerung wird sich nicht viel ändern. Auch Behörden und Verwaltung haben weiterhin die gleichen Aufgaben und Ziele. Beim Auftritt werden wir Weinfelden ein neues Kleid verpassen.

Sie sitzen für die FDP seit 27 Jahren im Grossen Rat. Was bedeutet das für die Weinfelder?

Die kantonalen Gesetze sind für die Gemeinden sehr entscheidend. Als Kantonsrat kann ich in diesem wichtigen Prozess der Gesetzgebung mitgestalten und anderseits sind die kurzen Wege zu Regierung und Kantonaler Verwaltung sehr nützlich.

Ihre dicht belegte Agenda zeugt von ihren vielen Präsenzpflichten ausserhalb der eigentlichen Arbeitszeit. Bleibt da noch Zeit für Familie und Hobby?

Auch wenn ich 365 Tage im Jahr Gemeindepräsident bin, versuche ich, mir den nötigen Freiraum zu verschaffen.

Ihre ganz persönlichen Anregungen, Ratschläge und Wünsche an die Adresse aller Weinfelderinnen und Weinfelder?

Wichtig ist mir, dass unsere gute Gesprächskultur weiter gepflegt wird und dass die Bevölkerung sich am politischen Geschehen interessiert und beteiligt.

Interview: Werner Lenzin