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Das Gummi-Granulat als Füllmaterial bei Kunstrasenplätzen könnte verboten werden.
1/1 Bild: shutterstock.com Das Gummi-Granulat als Füllmaterial bei Kunstrasenplätzen könnte verboten werden.
05.09.2019 08:00

Kunstrasenplatz: Auf der Suche nach Alternativen

Die Europäische Union hat eine Richtlinie verabschiedet, mit der Einwegplastik verboten werden soll. Ab 2022 soll weitestgehend auch Gummi-Granulat, welches als Füllmittel für Kunstrasenplätze verwendet wird, nicht mehr erlaubt sein. Welche Auswirkungen hat das auf die Plätze im Thurgau und wie geht das Amt für Umwelt damit um?

Kanton In Deutschland zieht das Kunstrasen-Thema bereits weite Kreise. So hat z.B. Baden-Württemberg die finanzielle Förderung von Kunstrasenplätzen eingestellt, in Rheinland-Pfalz werden Kunstrasenplätze nicht mehr genehmigt und in Bremen werden seit 2011 keine neuen Plätze mehr gebaut. Setzt die EU das Vorhaben Gummi-Granulat zu verbieten um, wären im Nachbarland Deutschland etwa 6000 Kunstrasenplätze betroffen. Im Kanton Thurgau gibt es insgesamt sechs Kunstrasenplätze. Jetzt gehört die Schweiz nicht zur EU, dennoch ist das Thema brisant. Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik rangieren die Verwehungen von Sportplätzen auf Rang fünf aller Quellen für Mikroplastik. Der Bundesrat teilte im Mai mit, dass Forscher der Empa die weltweit erste Risikoabschätzung für Mikroplastik in See und Flüssen durchgeführt haben. In Europa, so das Fazit der Studie, seien aquatische Organismen zurzeit (noch) nicht akut gefährdet.

Zwei Arten

Nicht alle Kunstrasenplätze sindaufgrund des Mikroplastiks eine Gefahr für die Umwelt. Es gibt noch eine andere Art, nämlich die unverfüllten Kunstrasenplätze. Bei diesen wird aufgrund enger zusammenliegender Halme auf ein Füllmaterial verzichtet. Auf Nachfrage, was denn für die Umwelt sinnvoller sei, teilte Denise Debrunner vom Amt für Umwelt des Kantons Thurgau mit: «Beide Arten haben Vor- und Nachteile. Unverfüllte Kunstrasen sind für die Gelenke der Sportlerinnen und Sportler schlechter. Bei verfülltem Kunstrasen wird dafür mehr Mikroplastik verwendet. Wichtig ist, dass bei der Verwendung des Mikroplastiks auf die Qualität geachtet wird, denn es gibt hier auch umweltschädlichere und umweltverträglichere Varianten.» Zusätzlich sei auch eine gute Entwässerung mit Abscheidenanlagen entscheidend. Im Hinblick auf die Studie des Fraunhofer Instituts teilte Debrunner mit: «Wir kennen die Studie. Darin ist auch ersichtlich, dass der Reifenabrieb (Platz 1) eine fast zehnmal höhere Quelle für Mikroplastik ist.»

Gummi-Granulat ist nicht einziges Füllmaterial

Die Suche nach Alternativen zum Gummi-Granulat ist bereits in vollem Gange. So wurde in Villmergen (AG) natürlicher Kork als umweltfreundlicheres Füllmaterial verwendet. Als weitere Alternative sei Sand ganz gross im Gespräch. Auch in Frauenfeld macht man sich Gedanken über eine Alternative. «Wir prüfen die Anlagen im Zuge der anstehenden Sanierungen auf Alternativen zu Gummi-Granulat und Naturrasen», sagt Roman Brülisauer, Amtsleiter für Freizeitanlagen und Sport der Stadt Frauenfeld. Dies habe aber nichts mit den gesetzlichen Veränderungen in der EU zu tun. In Kreuzlingen ist man von dieser Thematik weit entfernt. «Die Stadt Kreuzlingen hat sich von Anfang an gegen ein verfülltes System entschieden. Unser Kunstrasen ist im weitesten Sinne ein 'Rasenteppich'», erklärt Ruedi Wolfender, Leiter Gesellschaft und Liegenschaften. Auf den Kunstrasen kann die Stadt heute nicht mehr verzichten. «Für die rund 700 aktiven Fussballer in Kreuzlingen ist ein Kunstrasenplatz in der heutigen Ausprägung notwendig», so Wolfender weiter.

Für ein Gummi-Granulat-Verbot ist man in Kreuzlingen aufgrund der Kunstrasenart auf jeden Fall gewappnet. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Mikroplastik-Thematik weiterentwickelt.

Von Nico Wrzeszcz