z.V.g.
Der Gemeindepräsident von Bussnang, Ruedi Zbinden ist seit 2005 im Amt.
1/1 z.V.g. Der Gemeindepräsident von Bussnang, Ruedi Zbinden ist seit 2005 im Amt.
11.09.2019 11:14

Mehr Arbeitsplätze als Einwohner

Ruedi Zbinden ist seit 2005 Gemeindepräsident von Bussnang. Im persönlichen Interview erzählt er, was ihm an der Gemeinde gefällt und auf welche Themen er ein besonderes Augenmerk legt.

Wer etwas von der Gemeinde Bussnang hört, hört meist den Namen Stadler im gleichen Satz. Und auch wenn die Firma für die Gemeinde sehr wichtig ist, erzählt Gemeindepräsident Ruedi Zbinden im Gespräch, was die Gemeinde sonst noch so zu bieten hat.

Herr Zbinden, wenn Sie an Bussnang denken, woran denke Sie als Erstes?

Dann denke ich daran, dass Bussnang heute gut dasteht. Wir sind in einer sehr guten Verfassung. Die Gemeinde hat die grösseren Aufgaben bezüglich Strassen, Werkhof, Gemeindehaus gelöst und alles ist in gutem Zustand. Wir haben im Moment auch keine Pläne von grösseren Bauten. Was immer ansteht, sind Unterhalts- und Erhaltsaufgaben.

Bezüglich Schulanlagen?

Diese gehören den Schulgemeinden und nicht der politischen Gemeinde. Bussnanger Kinder gehen ja in die Schulhäuser von verschiedenen umliegenden Schulgemeinden. Aber die Anlagen können auch von der Bussnanger Gemeinde genutzt werden. Das beste Beispiel dafür ist das vorletzte Wochenende, als das 100-jährige Jubiläum des Turnvereins Mettlen und der Schwingerempfang stattfand. Wir hatten sozusagen drei Tage Fullhouse.

Sind Sie auch aktiver Turner?

Im Turnverein bin ich noch Ehrenmitglied. Daher war der Anlass auch für mich persönlich besonders. Für die ganze Gemeinde und die Regionen war dies ein eindrücklicher Anlass und war sehr gut gemacht. Ein Lob an das Organisationskomitee.

Und wie siehts mit anderen Vereinen aus?

Das Vereinsleben in Bussnang ist sehr stark. Die Leute machen mit von Klein bis Gross. Die generationenübergreifende Freude und Begeisterung in den Vereinen ist einfach toll. So kam das Vereinsleben in voller Pracht zur Geltung.

Also verbringt man auch die Freizeit gerne in Bussnang?

Auf jeden Fall. Man wohnt hier, lebt hier und verbringt auch die Freizeit hier gemeinsam. Und arbeiten kann man ja auch noch hier.

Ist Bussnang denn wirtschaftlich attraktiv?

Wir haben aufgrund von grossen Firmen wie der Stadler Rail, Bamix oder der Letrona viele Arbeitsplätze in der Gemeinde. Und die Tatsache, dass wir mehr Arbeitsplätze als Einwohner haben, macht uns im Kanton Thurgau einzigartig.

Was macht Bussnang abgesehen von der Wirtschaft attraktiv?

Sicher auch die schöne Landschaft. Bussnang ist an teils Orten mehr als nur ländlich. Lastwagen, die jeweils von Norden her ins Dorf fahren, halten oft hier beim Gemeindehaus an, weil sie sich nicht vorstellen können, dass in einer solchen ländlichen Gemeinde solch grosse Firmen ihren Sitz haben.

Dann haben Sie hier aus Ihrem Büro ja eine ganz schön spannende Aussicht.

Durchaus. Zum Beispiel schickt die Firma Stadler alle Züge, welche die Produktion nicht auf der Schiene verlassen, auf Lastwagen hier durchs Dorf. Hier sind schon Bahnen durchgekommen, die schlussendlich auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Von brasilianischen Zahnradloks, über Jungfraubahnen bis hin zu Waadtländer-Bahnen.

Wird man da selber zum Bahnliebhaber?

Ich bin schon immer begeisterter Zugfahrer und fahre lieber Zug, als dass ich fliege. Und wenn man auf fast jedem Bahnhof irgendwo auf der Welt den Namen Stadler liest, ist man schon stolz. Ist zum Beispiel jemand in Russland, bekomme ich auch oft Bilder von Stadlerzügen. In den Anfangszeiten war dies aber noch spezieller, als die Firma Stadler ihre ersten Auslandaufträge ausgeführt hat. Heute ist es fast schon gewöhnlich geworden. Beim Mixer ist es übrigens gleich. Hier habe ich sogar einen Bamix im Büro stehen. Aber auch darüber erfreue ich mich immer, wenn ich irgendwo einen sehe und daran denke, dass er in Bussnang seinen Ursprung hat. Einen Zug habe ich der Putzfrau zu liebe noch keinen ins Büro gestellt.

Und wie ist dieses Empfinden in der Bevölkerung?

Ich denke, hier ist jeder stolz auf die hiesige Industrie. Und man fiebert auch mit, wenn es darum geht, dass Stadler wieder einen grossen Auftrag an Land gezogen hat. Dann liest man schliesslich den Ortsnamen Bussnang auf Augenhöhe mit Weltmetropolen wie Rio de Janeiro, San Francisco, Moskau, Stokholm, Oslo oder Berlin. Das ist dann sehr eindrücklich. Und die Region profitiert ja auch von diesem Wirtschaftsstandort.

Wie meinen Sie das?

Die Firma Stadler beschäftigt hier in Bussnang rund 2000 Mitarbeiter. Und wir haben 2340 Einwohner. Hinzu kommen die anderen Grossbetriebe und die KMU's, die auch noch viele Arbeitsplätze bieten.

Ging es denn Bussnang schon immer so gut?

Die Gemeinde hat sich 1996 zu der heutigen politischen Gemeinde zusammengeschlossen. Dadurch entstand aber gerade in den Anfangszeiten viel Investitionsbedarf und die Gemeinde hat sich gewaltig verschuldet. Die gut laufende Wirschaft hat dann auch den Steuerfuss wieder etwas gestützt und die Leute begannen in Bussnang zu bleiben und nicht mehr wegzuziehen. So konnte in der Rechnung 2004 zum ersten Mal ein Ertragsüberschuss präsentiert werden. Klar, immer noch mit der Unterstützung des Finanzausgleichs aber immerhin. Von da an ging es aufwärts.

Und was steht aktuell an?

In Kürze treffen wir uns wieder zur Gemeindeversammlung. Da wird über eine eigene Grünabfuhr abgestimmt. Das ist etwas, was mehrfach in der Bevölkerung gewünscht wurde und meiner Meinung nach auch Sinn macht. Bis heute müssen die Bussnanger ihre Grünabfälle immer selber zu einer Entsorgungsstelle bringen.