Bild: z.V.g.
Von links nach rechts: Janette Ortner Region Untersee, Simon Gürkan Region Oberthurgau, Oliver Goldinger Region Frauenfeld, Jeffrey Kuster Region Hinterthurgau und Wil, Eckbert Bohner Leiter Verkauf, Sandra Petrocelli Region Mittelthurgau und Kreuzlingen.
1/1 Bild: z.V.g. Von links nach rechts: Janette Ortner Region Untersee, Simon Gürkan Region Oberthurgau, Oliver Goldinger Region Frauenfeld, Jeffrey Kuster Region Hinterthurgau und Wil, Eckbert Bohner Leiter Verkauf, Sandra Petrocelli Region Mittelthurgau und Kreuzlingen.
01.04.2019 10:29

Hypothekarschulden könnten unattraktiv werden

Die Politik will den Eigenmietwert einmal mehr abschaffen. Derzeit laufen dazu in den Parlamenten die Vorberatungen. Klar ist: Ein Systemwechsel könnte auch positive Effekte auf die Verschuldung von Privathaushalten haben.

Der Eigenmietwert ist in der Schweiz quasi ein heiliges Gut. Seit über 20 Jahren beschäftigen sich Politiker in Bundesbern mit der Abschaffung – bislang ist jeder Versuch gescheitert, diese im Jahr 1934 eingeführte Steuer abzuschaffen. Nun nehmen die Parlamente in Bundesbern einen weiteren Anlauf, um den Eigenmietwert durch ein neues Modell zu ersetzen. Der ursprüngliche Gedanke des Eigenmietwerts bestand darin, Wohneigentümer und Mieter steuerlich gesehen gleich zu behandeln. Denn heute lassen sich Mietkosten nicht von den Steuern abziehen. Immobilienbesitzer hingegen können Abzüge vom steuerbaren Einkommen für die Schuldzinsen sowie den Unterhalt ihres Eigentums geltend machen. Dadurch hätten sie quasi ein niedrigeres Einkommen als Mieter und müssten vergleichsweise weniger Steuern bezahlen. Um diesen Unterschied auszugleichen, müssen Eigentümer von Immobilien deshalb einen fiktiven Mietzins versteuern, den sie theoretisch bei einer Vermietung erhalten würden.

Unterschiede von Haus zu Haus

Die Schweiz mit ihrem föderalistischen System kennt hier allerdings von Kanton zu Kanton grosse Unterschiede in der Umsetzung: Bei der Einschätzung setzen einige Kantone den Vermögenswert und Eigenmietwert einer Immobilie bewusst tief an, wie beispielsweise der Kanton Tessin. Das Gegenteil ist im ansonsten als Tiefsteuerkanton bekannten Schwyz der Fall. Doch es gibt nicht nur zwischen den Kantonen bei der Einschätzung grosse Diskrepanzen: Ebenfalls einen Spielraum haben die einzelnen Steuerämter und selbst die dort arbeitenden Steuerkommissare bei den Abzugsmöglichkeiten für den Unterhalt einer Immobilie. Dadurch kann es vorkommen, dass Hausbesitzer in der nächsten Gemeinde einige Kilometer entfernt oder selbst der Nachbar deutlich weniger Steuern bezahlen müssen. Nun setzt sich die Politik also einmal mehr mit dem fiktiven Eigenmietwert und den Steuerabzügen für Wohneigentümer auseinander.

Besonders Hauseigentümer und ihre Interessenvertreter stossen sich bereits seit Jahren am heutigen Modell. Ein Argument für eine Abschaffung sind auch volkswirtschaftliche Fakten: Weil Immobilienbesitzer ihre Schuldzinsen abziehen können, animiert dies dazu, weiterhin eine hohe Hypothek zu halten. Das heute vorherrschende Niedrigzinsumfeld hatte darauf sicher einen gewissen Einfluss. Steigen die Zinsen in den nächsten Jahren allerdings wieder an, könnte das einige Wohneigentümer mit einer hohen Hypothek in Bedrängnis bringen, die finanziell nicht über ein genügend grosses Polster verfügen. Das volkswirtschaftliche Risiko nähme bei einer tieferen Verschuldung der Privathaushalte ab. Nur ein kompletter Systemwechsel funktioniert. Die Abschaffung würde zudem nicht nur den Aufwand für die Einschätzungen bei den Steuerverwaltern reduzieren, sondern auch bei den Eigentümern: Sie müssten künftig nicht mehr alle Belege einreichen, um die Kosten für den Unterhalt abziehen zu können. Wie verschiedene Rechenmodelle zeigen, kommt nur ein vollständiger Systemwechsel infrage, damit sich die Steuerausfälle in Grenzen halten. Von einer vollständigen Abschaffung würden in erster Linie jene profitieren, die sparsam leben und dadurch ihre Hypothek rascher abbauen können. Sie können durch die derzeit niedrigen Schuldzinsen tendenziell eher wenige Abzüge geltend machen. Zudem nähmen bei einem Systemwechsel auch die volkswirtschaftlichen Risiken ab, weil hohe Hypothekarschulden finanziell unattraktiver würden. Derzeit wird die Abschaffung des Eigenmietwerts in den Parlamentskommissionen vorbereitet. Voraussichtlich Ende 2019 soll das Geschäft zum ersten Mal in den Parlamenten beraten werden. Da derzeit verschiedene Varianten zur Diskussion stehen, die nach wie vor Abzüge beispielsweise für energiesparende Investitionen erlauben würden, muss ein Systemwechsel wohl noch einige politische Hürden überwinden. ⋌pd

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