z.V.g.
Wird die Mobilfunkantenne beim «Blauen Haus» nur ausgetauscht oder massiv ausgebaut?
1/1 z.V.g. Wird die Mobilfunkantenne beim «Blauen Haus» nur ausgetauscht oder massiv ausgebaut?
24.07.2019 18:00

Zbornik: «Salt ist es gelungen, den Stadtrat auszutricksen»

In einer Medienmitteilung erhebt Stefan Zbornik vom Verein Strahlungsfreies Kreuzlingen Vorwürfe gegenüber Salt, dem Kreuzlinger Stadtrat und den kantonalen Behörden: «Die Ferienzeit wird seit Jahren gerne genutzt, um schädliche Mobilfunkantennen möglichst unbemerkt bewilligen zu können.»

Kreuzlingen Unter dem Titel «Erneut Antennenwildwuchs in der Ferienzeit» schreibt Zbornik: «Diese schäbige Praxis ist in Kreuzlingen besonders ausgeprägt. Bereits über die Osterferien wurde ein Antennenmast beim Viadukt ausgeschrieben. Anfang Sommerferien wurde der geplante Ausbau der Mobilfunkanlage auf dem Gebäude an der Hauptstrasse 132 beim Blauen Haus angekündigt.» Die wenigen nicht in den Ferien weilenden Anwohner seien aufgebracht und würden eine Sammeleinsprache gegen das Baugesuch einreichen. Unzulänglich sei in der Bauanzeige der Stadt und im Baugesuch der Salt Mobile SA verharmlosend die Rede von einem Antennentausch, so Zbornik: «Offensichtlich ist es Salt gelungen, unseren Stadtrat und dessen Baubehörde auszutricksen, sonst würden in der Bauanzeige wahre Tatsachen stehen.» So plane Salt gemäss den Baugesuchsunterlagen keinen Antennentausch sondern einen massiven Ausbau der Anlage. «Die abgestrahlte Gesamtleistung der Anlage soll verdreifacht werden und zusätzlich auch noch im kürzlich versteigerten 700 MHz Band senden», heisst es in der Medienmitteilung. Die unerwünschte und dauernde Zwangsbestrahlung in den eigenen vier Wänden werde dadurch weiter verstärkt. «Diese unkontrollierte Entwicklung könnte schon lange gelenkt werden, wenn Stadt- und Gemeinderat das Antennenreglement gegen den Antennenwildwuchs endlich fertigstellen würden», meint Zbornik und weisst daraufhin, dass sich die betroffenen Bewohner bis am 3. August an der Sammeleinsprache auf www.strahlungsfrei.ch beteiligen können.

«Kein Wildwuchs in Kreuzlingen»

Auf Anfrage beim zuständigen Kreuzlinger Bauchef Ernst Zülle sagt dieser: «Mit einer solchen Unterstellung schiesst Stefan Zbornik hilflos ins Kraut. Öffentliche Auflagen respektive Ausschreibungen werden das ganze Jahr nach Eingang und Bearbeitung der Gesuche erledigt. Wie in diesem Fall aber auch im zweiten Gesuch der Antenne beim Viadukt ersichtlich, blieben die Ausschreibungen nicht unbemerkt - was auch nie die Absicht war.» Bei den Einsprachen oder Sammeleinsprachen sei nicht die Anzahl der Einsprecher, sondern deren Begründung entscheidend, erklärt er. «Nach meinem Wissen handelt es sich bei dem Gesuch von Salt um einen baulichen Austausch der bestehenden Anlage. Wenn die Antenne technisch verändert wird und mehr Leistung bietet, respektive strahlt, müssen die gesetzlichen Grenzwerte, die das Bundesamt für Umwelt (BAFU) festlegt, in jedem Fall eingehalten werden. Der vorsorgliche Schutz durch die Anlagegrenzwerte beschränkt sich auf Orte, an denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit aufhalten – also Orte mit empfindlicher Nutzung», so der Stadtrat. In Kreuzlingen könne zudem nicht von einem «Wildwuchs» gesprochen werden.. Die bestehenden Antennen, respektive deren Betreiber, würden ausserdem sämtliche geltenden Vorschriften bezüglich Bau, Denkmalpflege, Ortsbild und Strahlungsgrenzwerte einhalten.

«Als wir vor einigen Jahren die Planung der möglichen Gebiete für Mobilfunkantennen angingen, habe ich mich, damals noch als Gemeinderat, dafür eingesetzt, dass Schulhäuser, Kindergärten, Altersheime und Kliniken ausgeschieden werden. Weil gesundheitliche Begründungen für eine Ablehnung einer Antennenanlage durch die Baubehörde nicht ausreichen, da der Bund die Grenzwerte festlegt, ist der Einfluss der Stadt nur bezüglich Standort im Rahmen der Ortsverträglichkeit möglich.» Er erinnert sich, dass manchen im Gemeinderat das Reglement zu weit ging, für andere die Rechtsgrundlage zu dünn gewesen sei. «So fand das Reglement keine Mehrheit im Parlament. Darum wurde der Versuch des Stadtrats, ein Reglement mit einer Positiv- und Negativplanung für alle Standorte von Mobilfunkantenne zu schaffen, nicht mehr weiter verfolgt», schliesst Zülle ab.

Von Angelina Rabener