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Regula Senn und Bernhard Liepelt haben sich mit dem Tiny House Freyja in ihrem eigenen Garten einen Traum erfüllt.
1/1 tas Regula Senn und Bernhard Liepelt haben sich mit dem Tiny House Freyja in ihrem eigenen Garten einen Traum erfüllt.
09.10.2019 09:24

Leben mit dem, was die Erde hergibt

Ein «Mini-Hotel» im Garten – kaum vorstellbar? Regula Senn und Bernhard Liepelt haben genau das gemacht. Mit dem Tiny House «Logis Freyja» haben sie sich einen Traum erfüllt und machen Autarkie erlebbar.

Scherzingen Den Strom bezieht sie aus der Solaranlage, das Brauchwasser reinigt sie mit einer Pflanzenkläranlage und die Raumtemperatur steuert sie ohne Energieverlust – Freyja, wie das autarke Tiny House heisst, kommt ohne Energiezufuhr aus. Für ihre Besitzer, Regula Senn und Bernhard Liepelt, hat sich mit ihr ein Traum erfüllt. Den Wunsch, die Erde als einzigartigen Ort für sich und für alle, die noch kommen, nachhaltig und lebenswert zu beeinflussen, hat das Paar schon lange. Auch das Wohnhaus, in dessen Garten Freyja steht, funktioniert so weit möglich nachhaltig und nutzt erneuerbare Energien. Gänzlich autark zu leben, sei stand heute in der Bauzone aber noch nicht möglich, erklärt Liepelt. Vorschriften fordern die Autarkie heraus. «Unsere Gäste sind vielfach keine Touristen im eigentlichen Sinn. Es geht den meisten darum, das autarke Leben zu erleben und zu erlernen», sagt Liepelt. So fahren auch einige der Gäste mit Dieselautos nach Scherzingen. Wie passt das zusammen? «Perfekt in Sachen nachhaltigem Leben sind wir alle nicht», so Liepelt. «Es braucht immer Kompromisse. Wichtig ist aber der erste Schritt». Auch beim Projekt Freyja wurden dem Paar Grenzen gesetzt. Eigentlich funktioniert der Wohnwagen mehrheitlich unabhängig von jeglichen Systemen. Menschliche Ausscheidungen werden mittels Pflanzenkläranlage und Kompostierung verwertet und zu fruchtbarem Humusboden verarbeitet. «In Kreisläufen denken heisst, der Natur zurück geben, was man ihr genommen hat», so Liepelt. Die Freyja zeigt, dass es geht. Da die Bewilligung dafür von seiten Gemeinde, Kanton und Bund nicht erteilt wurde, dürfen die bereits aufgearbeiteten Ausscheidungen nicht verwendet werden. Daher ist Freyja an die Kanalisation angeschlossen.

Selbstregulierung

Speziell an Freyja ist nicht nur die Autarkie, sondern auch die Selbstregulierung der vorhandenen Energie. Das heisst, über die Solaranlage oder die Holzofenheizung wird Strom, beziehungsweise Wärme erzeugt. Ist die gewünschte Raumtemperatur erreicht, wird mit der restlichen Energie der Warmwasserboiler gefüllt. Ist dieser voll, wird der Pufferspeicher für die Heizung bedient. Als erstes wird der Batteriespeicher mit Solarstrom aufgeladen. So wird keine Energie verschwendet. Da der Wohnwagen teilweise im Schatten steht, kann die Solaranlage auf dem Dach meist nicht die volle Leistung bringen. Daher wurde sie technisch optimiert und erweitert. Im Notfall kann Freyja Strom von der Solaranlage des Wohnhauses beziehen.

Schöner Wohnen, die Erde dankt

Ein Tiny House, das energieautark funktioniert, stellt man sich reduziert vor. Reduziert in Gemütlichkeit, reduziert in Wohnkomfort. Dass dem nicht so ist, beweist Freyja. Das Tiny House entspringt dem Konzept, hochwertige, natürliche Materialien wie Holz und Lehm sowie bewusst eingesetzte Lichtquellen zu nutzen, um dem Raum eine besondere Energie zu verleihen. Die Natur ist dabei sozusagen im Wohnwagon genauso erlebbar wie draussen. Einen ersten Eindruck vom Tiny House Freyja erhält man auf mein-wohnwagon.ch.

Von Tamara Schäpper