Bild: z.V.g.
Margerete Martinez richtet den Raum im Untergeschoss des Tertianum Meeresstern für die nachmittagliche Spielrunde ein.
1/1 Bild: z.V.g. Margerete Martinez richtet den Raum im Untergeschoss des Tertianum Meeresstern für die nachmittagliche Spielrunde ein.
25.07.2019 08:46

Ganz dem individuellen Gästewohl verpflichtet

Das Wohn- und Pflegeheim Tertianum Meeresstern in Kreuzlingen ist ganz besonders auf die Pflege dementer Gäste ausgerichtet. Ganz wichtig ist dabei das möglichst lange Erhalten der individuellen Ressourcen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die Aktivierung.

Kreuzlingen Margarete Martinez leitet seit sieben Jahren an sechs Tagen in der Woche die Aktivierung im "Meeresstern" - und ist dankbar dafür, denn "es ist etwas Wunderschönes, wenn man alten, kranken Menschen helfen kann, sich möglichst lange einen Rest an Erinnerungen und Lebensfreude zu bewahren".

Kostbare fünf Minuten

Dementsprechend ist Margarete Martinez von der Sinnhaftigkeit ihre Tuns "absolut überzeugt, denn ich erfahre hier täglich, dass man hier im Kleinen sehr vieles bewirken kann". Zum Beispiel durch das Schenken von ungeteilter Aufmerksamkeit. "Nach dem Morgenessen widmen sich alle hier im Haus für fünf Minuten je einem Gast. Dieses bewusste Zeitmiteinanderverbringen wird sehr geschätzt - und zwar sowohl von den Beschenkten als auch von den Schenkenden. Es ist schon zu einem gewissen Masse ein richtiges Ritual geworden, dass niemand mehr missen möchte", erzählt Martinez.

Auf die individuellen Bedürfnisse eingehen

In einem kleinen Haus wie dem "Meeresstern" mit seinen 19 Gästen läuft man sich zwangsläufig über den Weg und es kennt auch jede(r) jede(n). Das vereinfacht den gezielten Umgang, das Erkennen der individuellen Bedürfnisse der Gäste. Vormittags liegt in der Aktivierungsarbeit der Fokus auf Spiel und Bewegung, "schliesslich will man ja für den Tag in Schwung kommen", lacht Martinez. Bei Sonnenschein wird im Garten eine Runde gedreht und zusammen ein Kaffee genossen. Nachmittags steht dann eher Geselliges wie Kartenspiele oder Singen auf dem Programm.

Freude am gemeinsamen, praktischen Tun

Fordern, aber nicht überfordern lautet die Devise. Und natürlich gilt es den Gästen ein gutes Gefühl zu vermitteln. Eine wöchentliche "Männerrunde" gehört genauso zum Wohlfühlprogramm wie auch das gemeinsame Kochen am Mittwochabend. "Den Gästen ist es wichtig, dass sie, gemäss ihren Fähigkeiten, etwas Praktisches erledigen können; schliesslich gehören sie alle noch einer Generation an, die es sich gewohnt war, täglich zu arbeiten", weiss Martinez. Manche zupfen Unkraut im Hochbeet oder giessen die Pflanzen im Garten, im Herbst wird das Vogelhäuschen hergerichtet und übers ganze Jahr hinweg legt die gesellige Runde regelmässig ebenso achtsam wie gekonnt Handtücher zusammen. "Dann stelle ich Musik an und alle freuen sich dann, wenn sie wieder ein Lied aus ihrer Jugend erkennen", so Martinez.

Christof Lampart