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Aus Sicherheitsgründen müssen die Rutschvorschriften eingehalten werden.
1/1 Bild: rab Aus Sicherheitsgründen müssen die Rutschvorschriften eingehalten werden.
04.07.2019 11:30

Es gab keine Ohrfeige

«Die Bademeister haben meinen Sohn geschlagen!» stand im Blick am Sonntag. Es geht um die Badi Hörnli in Kreuzlingen, um aufgedrehte Schüler und um «aggressives und beleidigendes Personal» (Blick). Im Gespräch mit Jürg Schlatter, Präsidenten der Genossenschaft Schwimmbad Hörnli, baten wir um Aufklärung.

Herr Schlatter, wie haben Sie von dem Vorfall am Freitag erfahren?

Ich habe über Mitglieder der Verwaltung vom Vorfall erfahren. Ein Mitglied der Verwaltung der Ge-nossenschaft Schwimmbad Hörnli war ebenfalls am besagten Freitagnachmittag im Bad, hat aber von den Vorfällen nichts mitbekommen.

Im Blick stand, dass ein Bademeister einem Jungen eine Ohrfeige gab, ein anderer Schüler habe Schürfwunden am Körper.

Zu Tätlichkeiten seitens Bademeister oder Angestellten kam es nicht. Die Schürfwunden stammen daher, dass ein Schüler beim Rennen auf dem Asphalt vor dem Ausgang ausgerutscht und ohne Fremdeinwirkung hingefallen ist. Hintergrund war, dass sieben Schüler gemeinsam die Breitrutsche benutzten. Dabei sind sie nebeneinander gleichzeitig gerutscht, was zu gefährlichen Situationen führen kann. Deshalb ist dieses gemeinsame Rutschen auch nicht erlaubt. Die Bademeister haben dies den Schülern zweimal mitgeteilt und beide Male angedroht, sie müssten das Bad verlassen, wenn sie sich zur eigenen Sicherheit und der Sicherheit der Anderen nicht an die Vorschriften hielten. Nach der dritten Mahnung wurden sie aus dem Bad gewiesen. Die Schüler sind weggerannt und haben sich in der Garderobe versteckt. Dort konnten sie aufgefunden und zum Verlassen des Bades aufgefordert werden.

Bademeister haben es mit pubertierenden Jugendlichen oftmals schwer. Wird das Badi-Personal diesbezüglich speziell geschult?

Eine spezielle Schulung gibt es nicht. Unser Team besteht aus ausgebildeten und erfahrenen Bademeistern. Mit dem Bademeisterteam werden mehr als einmal pro Saison solche und ähnliche Situationen besprochen. Gerade bei heissen Temperaturen und vielen Leuten ist das Bewahren eines kühlen Kopfes besonders erforderlich, aber auch anspruchsvoll. Wichtig ist, auf die Sicherheit des Betriebes und das Ruhe- und Erholungsbedürfnis der Badegäste Rücksicht zu nehmen.

Wie viele Besucher waren am Wochenende in der Badi? Und wie viele Bademeister waren vor Ort?

Am Freitag konnten knapp 1300, am Samstag 2100 und am Sonntag 5400 Eintritte verbucht werden, jeweils zuzüglich Kinder bis sechs Jahre. Täglich waren fünf Angestellte im Betrieb.

Über Facebook gab es Kommentare. Einige beschrieben die Bademeister als unfreundlich und dass sie überfordert seien - wenn das Bad voll ist.

Das Bademeisterteam ist für seine konsequente Haltung bekannt. Dies muss nicht negativ sein. Dass in gewissen Stresssituationen auch im Hörnli, wie in anderen Bädern und ähnlichen Institutionen, bei vielen Besuchern und heissen Temperaturen die Anspannung manchmal gross ist, ist nicht zu vermeiden. Deshalb werden solche Situationen, wie erwähnt, regelmässig mit dem Bademeisterteam besprochen. Persönlich habe ich nicht den Eindruck, dass das Bademeisterteam überfordert ist. Es sind erfahrene Leute.

Die Rutsche in der Badi ist gefährlich, wenn sich Kinder oder Jugendlichen nicht an die Regeln halten. Wie wird die Rutsche überwacht?

Die Rutsche ist nicht gefährlich, wenn sie vorschriftsgemäss berutscht wird. Da haben Sie recht. Deshalb legen die Bademeister auch so viel Wert auf vorschriftsgemässe Nutzung und sind konsequent, wenn sich das Verhalten nach mehrmaligen Mahnungen nicht ändert. Die Rutsche ist, wenn sie im Betrieb ist, regelmässig von mindestens einer Person überwacht, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Sodann wird der Rutschrhythmus mittels einer Ampelanlage vorgegeben, damit nicht zu viele Personen gleichzeitig oder kurz nacheinander in den Auslaufbereich gelangen. Es ist aber hin und wieder festzustellen, dass die Ampelsignale missachtet werden.

Welche Konsequenzen hat der Vorfall vom Freitag? Wird es Änderungen geben, damit so etwas nicht noch einmal passiert?

Der Vorfall wurde zum Anlass einer erneuten Besprechung mit dem Team genommen. Es liegt im Interesse des Schwimmbadbetreibers, dass auch schwierige Situationen sicher gemeistert werden können. Allerdings ist nicht zu vermeiden, dass der eine oder andere Besucher die Behandlung, die er erfährt, als ungerecht oder unfreundlich wahrnimmt. Gemeint ist das Verhalten der Bademeister indessen nie so.

Angelina Rabener