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12.06.2019 13:24

Der Wind in den Steckdosen

Der Kanton Thurgau hat im Zuge der Energiestrategie 2050 des Bundes sechs Windpotenzialgebiete ausgesondert, wo insgesamt 37 Windenergie-Anlagen (WEA) vorgesehen sind (Thundorf-Lustdorf, Salen-Reutenen, Braunau-Wuppenau, Ottenberg, Sirnach-Littenheid, Cholfirst). Der Grosse Rat entscheidet in diesem Jahr über deren definitive Festsetzung.

Kanton Die drei Vereine Lustdorf/Thundorf, Wuppenau und Salen-Reutenen, wo bereits fortgeschrittene Planungen bestehen, haben sich zum kantonalen Verband «Freie Landschaft Thurgau» (FLTG) zusammengeschlossen und kämpfen gegen den Bau von Windenergie-Anlagen. FLTG ist grundsätzlich für die Nutzung der Windenergie, sofern die WEA an Orten zu stehen kommen, wo sie wirtschaftlich genug ertragreich sind, die vorhandene Topographie und Siedlungsstruktur berücksichtigen, die Auswirkungen sowohl auf den Menschen als auch auf Flora und Fauna nachhaltig mit einbeziehen und der Strom lokal speicherbar ist. Denn nur WEA treten derart dominant auf, haben dieses gewaltige Potenzial zur Landschaftsveränderung, zur massiven Beeinträchtigung unserer natürlichen Umwelt und zur negativen Beeinflussung der Lebensqualität des Menschen. Deshalb ist FLTG überzeugt, dass gigantische WEA mit 200m Gesamthöhe keine nachhaltige Energieversorgung für den kleinräumigen und bereits stark zersiedelten Thurgau sind.

Sechs Richtplangebiete sind vorgesehen

Der Ottenberg ist die Landschaftsperle des Mittelthurgaus. Hier sollen sechs Windräder stehen, die so hoch sind wie der Ottenberg selber. Im Konzept Windenergie des Bundes ist auch das Bundesinventar der schützenswerten Orte (ISOS) enthalten. Weinfelden, der Südhang des Ottenbergs mit seinen markanten Rebflächen, Ottoberg, Märstetten, Boltshausen und Hard sind solche geschützten Orte. Eine seltene Dichte mit grossem Referenzwert für den Thurgau.

Von weither erkennbar

Die projektierten Standorte der sieben WEA in Salen-Reutenen beeinträchtigten ein BLN-Gebiet (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler), ein Amphibienlaichgebiet, ein Kulturgut aus dem Kulturgüterschutzinventar (KGS-Inventar), das UNESCO - Weltkulturerbe Reichenau sowie die landschaftliche Einmaligkeit des höchstgelegenen Gebietes des von weit her einsichtbaren Seerückens. Steckborn, Berlingen, Salenstein und Ermatingen liegen in nächster Nähe zur geplanten WEA. Alle diese Ortschaften sind auch Teil des ISOS. Die vorgesehenen Windenergie-Anlagen auf dem Cholfirst, in Thundorf-Lustdorf, Sirnach-Littenheid und Braunau-Wuppenau lägen in nächster Nähe zu vielen grösseren Ortschaften. Lustdorf, Schönholzerswilen, Heiligenkreuz, Wil SG, Tobel, Paradies, Benken, Rudolfingen sind zudem auch im ISOS registriert. Teile des Cholfirst sind im Konzept Windenergie des Bundes sogar als grundsätzliches Ausschlussgebiet aufgeführt.

Eine Lösung für die Zukunft

Thurgauer Naturstrom aus Solar- und Biogasanlagen, Kleinwasserkraftwerken sowie aus der Kehrichtverbrennungsanlage sind eine Erfolgsgeschichte. Schweizweit liegt noch viel Potenzial in der Wasser- und Sonnenkraft. Und innovative Entwicklungen gibt es fast täglich. Jedes Haus könnte energieautark sein.

Die Vorteile der Windenergie

Den Argumenten der FLTG hält die Schweizerische Windenergie-Vereinigung Suisse Eole entgegen. «Wir sind nicht überrascht, dass sich die Gegner der Windenergie auch in der Ostschweiz formieren. Trotz anderslautender Aussagen handelt es sich um eine Vereinigung, welche die Windenergie verhindern will», sagt Benjamin Szemkus von Suisse Eole. Inhaltlich werde von den Gegnern der Windenergie meist mit Emotionen gehandelt und selten mit überprüfbaren Fakten. Deren Visualisierungen von Standorten werden oft keinerlei Qualitätssicherungen und Standards gerecht. Zudem werde gerne ausgeblendet, dass die Energiestrategie 2050 ausdrücklich einen Anteil von Windenergie vorsieht. Zur Optik meint Szemkus: «Windenergieanlagen sind nicht versteckbar.» Die Windenergie habe im Vergleich zu anderen Technologien aber sehr viele Vorteile. Bzgl. des Landschaftsschutzes werden im Einzelfall Interessenabwägungen gemacht. Es sei erwähnt, dass die Erfahrungen in der Schweiz zeigen, dass installierte Windenergieanlagen sehr gut akzeptiert werden. Grundsätzlich sind alle Planer bedacht, Anlagen an geeigneten Orten zu konzentrieren. Viele Gebiete sind raumplanerisch schon ausgeschlossen. Bei der genaueren Betrachtung solcher Initiativen erhalte man den Eindruck, dass der Landschaftsschutz vorgeschoben wird, um Partikularinteressen zu befriedigen. «Das ist aus unserer Sicht unsolidarisch, zumal wir wissen, dass wir auf alle Energiequellen angewiesen sind und die Bevölkerung in Gemeinden in der Mehrzahl dem Bau der Anlagen zugestimmt hat.»