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Am 8. Dezember bietet Micha Stuhlmann im Literaturhaus Bodman eine öffentliche Probe.
1/1 Bild: kp Am 8. Dezember bietet Micha Stuhlmann im Literaturhaus Bodman eine öffentliche Probe.
06.12.2018 06:00

«Sammelstelle für Einzigartigkeiten»

Unterschiedlichkeit und Perspektivenwechsel, Auseinandersetzung mit dem Begriff der Diversität, eine wilde Mischung im Ensemble: Micha Stuhlmanns neue Arbeit «Laboratorium für Artenschutz» sucht die Fragestellung und die Diskussion.

Kreuzlingen «Mit meiner neuen Arbeit gehe ich zurück zu den Wurzeln, mache mit dem fast puren Auftritt, mit wenig Bühnentechnik ein Stück, das, getreu dem Titel, ein Forschungsfeld sein wird», erklärt Micha Stuhlmann im Gespräch. Und sie will das Publikum an diesem Prozess teilhaben lassen. Aus diesem Grund bietet sie am 8. Dezember, 17 Uhr, eine öffentliche Probe im Bodman-Literaturhaus in Gottlieben an. «Öffentliche Proben sind ein gutes Mittel, einerseits einen Prozess sichtbar zu machen und andererseits Fragen aufzuwerfen». Das Publikum bekomme Schnipsel der Arbeit und Hintergrundinformationen. Vom Nutzen einer öffentlichen Probe ist Micha Stuhlmann überzeugt: «Die Leute kommen mit einem offenen, neugierigen Geist».

Eine wilde Mischung

Die Besucherinnen und Besucher könnten sich entführen lassen, verführen zu Geschichten, die bei einer blossen Vorstellung nicht vorhanden seien. «Eigenes Denken inklusive», weiss die Künstlerin. Sie kann auf Erfahrungen zurückblicken, denn bereits im September gab sie im Trösch Einblick in das Werk. Rund 20 Leute seien gekommen, es habe nach der Probe teils intensive Gespräch und Diskussionen gegeben. Für sie eine positive Reaktion von Ensemble und Besucher. «Laboratorium für Artenschutz ist kein Tanz und kein Theater im klassischen Sinn, auch wenn Bewegung zentral ist». Die Mitglieder des Ensembles, «eine wilde Mischung aus Lebenswegen und Erfahrungen im Alter von 22 bis 85 Jahren», müssten sich frei entfalten können. Die Folge: «Es sind zu Beginn einer Arbeit noch keine Inhalte gesetzt. Denn die kommen erst mit den Mitspielern und deren Interessen, Fähigkeiten und Grenzen».

Von Älterwerden und Sterblichkeit

Damit sieht sie «das Laboratorium für Artenschutz» als Sammelstelle für die Einzigartigkeiten. «Um im Artenschutz tätig zu sein, braucht es vielfältige Ansätze, Ansichten, Umsetzungen und noch mehr Versuche. Das ist nur im Verbund möglich», spricht sie das neunköpfige Ensemble an. Eines der zentralen Themen an der öffentlichen Probe wird das Älterwerden und die Sterblichkeit sein. «Damit setzen wir uns alle auseinander, die 22jährige und der 85jährige sehen das Thema aus ganz anderen Blickpunkten». Über Aufführungen will Micha Stuhlmann noch nichts sagen. Konkret seien, so viel könne sie verraten, die Arbeiten an einem Film. «Im kommenden Sommer werden wir alle zusammen zwei Wochen im Wallis verbringen. Zwei Kamerateams sind mit dabei». Daran werde bereits recheriert, geforscht und entwickelt, denn «dieses Projekt muss beim Drehstart auf gutem Boden stehen.»

Kurt Peter