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Regula Imboden liest aus den Briefen zwischen Corinna S. Bille und Maurice Chappaz.
1/1 Bild: z.V.g. Regula Imboden liest aus den Briefen zwischen Corinna S. Bille und Maurice Chappaz.
09.05.2019 09:45

Ich werde das Land durchwandern, das du bist

Corinna Bille und Maurice Chappaz waren ein Liebespaar, ein Schriftstellerpaar und später Eltern von drei Kindern. Um sich jeder ein eigenes Leben zu bewahren, entschieden sie sich für die Nähe auf Distanz, wohnten meist getrennt oder waren viel auf Reisen. Diesem Umstand verdanken wir einen so umfassenden wie faszinierenden Briefwechsel, fast vom Tag ihrer ersten Begegnung 1942 an bis zum Tod von Corinna Bille im Jahr 1979, der nun erstmals auf Deutsch erscheint.

Gottlieben Wir lesen berührende, zärtliche Liebesbotschaften wie auch Zeilen gegenseitiger Enttäuschung, und wir verfolgen den intensiven Austausch zur Entstehung zweier Lebenswerke, die damit verbundenen Krisen, das Ringen um den zum Schreiben unabdingbaren Freiraum inmitten von Familie, finanzieller Bedrängnis und täglichen Sorgen. Und wenn etwa der Grenzsoldat Maurice Chappaz den Dienstalltag beschreibt und Corinna Bille die Schwierigkeiten, für ihr zu Beginn verheimlichtes Kind zu sorgen, werden auch die zeitlichen Umstände greifbar, wie hier die Auswirkungen des Kriegs in der Schweiz, was aus dem Schriftsteller-Briefwechsel zudem ein besonderes Zeitdokument macht.

Corinna Bille (1912-1979), Schriftstellerin aus dem Wallis, ihr erster Roman, Theoda, erschien 1944; 1975 wurde ihr der Prix Goncourt de la Nouvelle verliehen. Zahlreiche Werke liegen in deutscher Übersetzung im Rotpunktverlag vor.

Maurice Chappaz (1916-2009) war nicht nur Dichter, sondern auch Weinbauer, Hilfsgeometer beim Bau des Staudamms der Grande-Dixence sowie Umweltaktivist. 1997 wurde er mit dem Großen Schillerpreis und dem Prix Goncourt de la Poésie ausgezeichnet.

Das Paar Bille-Chappaz, dem die Beschwörung der Natur als archaischer Kraft gemeinsam ist, gilt heute als ein Mythos der Schweizer Literatur. Regula Imboden liest am 16. Mai um 20 Uhr im Bodman-Literaturhaus aus diesen Briefen.

red