05.11.2018 09:57

Offener Brief an die Gemeinde Weinfelden, das Bauamt und eine möglicherweise vorhandene Kommission "Ortsbildschutz"

Als Mitinitiant der zwei Initiativen zum Erhalt der Arbeitersiedlung im Sangenfeld (Thurfeldstrasse) ist es mir ein Bedürfnis, die gegen den Heimatschutz erhobenen Schuldzuweisungen zu erwidern und die Verantwortung für das Desaster der Gemeinde anzulasten. Als sich die Schulgemeinde entschloss, die für das Paul Reinhart-Schulhaus reservierte Landreserve zu verkleinern/aufzuheben, war der Weg frei für ein neues Wohnquartier in Weinfelden. Die Behörde hat es versäumt, rechtzeitig die Rahmenbedingungen für dieses Areal festzulegen. Die politischen Behörden und das Bauamt wären dazu angehalten gewesen von der Bauherrschaft zum Erhalt eines bestmöglichen Gestaltungsplans einen privaten Wettbewerb als zwingend einzufordern. In einer solchen übergreifenden Planung müssen schützenswerte Bauten mitberücksichtigt werden, wie z.B. die von der Denkmalpflege als «bemerkenswert» eingestufte Arbeitersiedlung. Als dann der Gestaltungsplan und die Umzonung an der Abstimmung abgelehnt wurden, hätte die Gemeinde in eigener Verantwortung mit den Initianten das Gespräch suchen müssen und für das Gebiet einen eigenen Gestaltungsplan in Auftrag geben müssen, wie dies in anderen Gemeinden üblich ist. Dazu wären drei Jahre Planungszeit zur Verfügung gestanden. Ich will hier noch anfügen, dass das Initiativkomitee in keiner Weise verhindern, sondern erhalten und entwickeln will. Die Abstimmung über den Gestaltungsplan hat das Initiativkomitee nur gewonnen, weil die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Arbeitersiedlung schützen wollen und nicht um die Neubauten zu verhindern. Wir vom Initiativkomitee regen daher an, dass die Projektierungen in Zukunft professioneller begleitet werden müssen. Der gebauten Umwelt soll ein lesbares Gesicht gegeben werden. Das lässt sich mit den Instrumenten bewerkstelligen, wie diese in der Bauordnung bereits verankert sind. Es gibt nicht nur Vorschriften für das Bauen, sondern auch für das Verhindern von Wildwuchs, wie z.B. die Pflicht zur guten Eingliederung. Dazu braucht es aber eine kritische und verantwortungsbewusste Behörde mit Visionen und Durchsetzungswillen, die das umsetzt und die von der Politik gestützt wird. Es reicht nicht die Frauenfelderstrasse zu hegen und zu pflegen. Bauliche Geschichte ist auf dem ganzen Gemeindegebiet elementar und macht die Entwicklung der Gemeinde lesbar. Zu viele Zeitzeugen mit Ausstrahlung sind verloren gegangen. Die vorgebrachten Argumente, der neue Art. 12 könne zu Verhinderungswerkzeug missbraucht werden, ist abwegig: 600 Stimmen zu sammeln benötigt einen grossen Einsatz und Zeitaufwand. Ohne wirklich gute Argumente bringt niemand eine Initiative zum Schutz einer Baute zustande. Wie sich aber zeigt, ist gerade dies für Weinfelden von eminenter Wichtigkeit. Aus all diesen Gründen bitte ich Sie als Bürger von Weinfelden, an der Abstimmung für den Erhalt der Bauten an der Thurfeldstrasse zwei Mal ein Ja, 1x für die Anpassung des Artikels 12 und 1x für den Erhalt der Thurfeldstrasse in die Urne zu legen.

Ivo Dahinden, im Namen des Initiativkomitees