06.05.2019 10:19

Eine Schule ist kein Unternehmen

Eine Schule ist kein Wirtschaftsunternehmen, ein Unternehmen ist nicht Militär und Militär ist keine Schule. Deshalb ist eine Schulleiterin oder ein Schul(rats)präsident auch nicht ein CEO, ebenso wenig wie ein CEO nicht der Armeechef oder ein Korpskommandant der Armee nicht ein Schulleiter ist. Wer so tut, als ob eine Schule gleich wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden könnte verkennt, dass gute und erfolgreiche Führung immer auf Vertrauen fusst und dieses wird massgeblich auch durch Wissen über die spezifischen Anforderungen des Aufgabenfeldes beeinflusst. Man muss wissen, wie eine Schule, ein Unternehmen oder das Militär funktioniert, um führen zu können. Seit einiger Zeit häufen sich im Thurgau solche grundlegenden Führungs-Missverständnisse, jüngstes Beispiel dafür dürfte die Schule Wigoltingen sein. Es kommt zu Konflikten – wie überall, wo Menschen sich aktiv einbringen und engagiert tätig sind – aber diese werden zunehmend nicht mehr in selbstverständlicher weise konstruktiv im Sinne eines Kompromisses und Zusammenraufens zum Wohle des Ganzen gelöst, sondern es kommt – nach immer gleichem Muster – zur Eskalation: Jemand muss gehen oder jemand verlässt die Schule, den verbleibenden und ausscheidenden Personen wird ein Maulkorb verpasst (Wigoltingen, Kreuzlingen). Begründet wird mit Persönlichkeitsschutz, auch wenn gerade dieses Argument durchsichtig ist und es sich fragt, wessen Persönlichkeit da geschützt werden soll. In solchen Fällen, wo es der Führung offensichtlich nicht gelingt, einen Kompromiss zu finden und sich gut schweizerisch zusammenzuraufen, braucht es das Öffentlichkeitsprinzip. Hier brauchen die Bürgerinnen und Bürger Transparenz und Akteneinsicht, hier braucht es die Öffentlichkeit, die den meist gewählten Leuten auf die Finger schaut und sie davor bewahrt, dem Trugschluss aufzusitzen, sich wie ein CEO oder ein Offizier in einem völlig anderen Umfeld zu verhalten.

Esther und Bernhard Brunner, Bottighofen