05.08.2019 11:55

Die Kreuzlinger Antennenprobleme

Der Artikel in KN30, Seite 6, von Zbornik/Zülle wirft ein bedenkliches Licht auf die fiesen Praktiken von Unternehmen und der Verbandelung der Politik, ihre Ziele rücksichtslos, ohne Einbezug von uns Steuerzahlern durchzusetzen. Als "Antennentausch" wird von SALT eine Erhöhung der Sendeleistung um einen Faktor 3 deklariert und uns dadurch der wahre Sachverhalt vernebelt, und - wie mir auch aufgefallen ist - dazu stets in der Ferienzeit, wohl in der hinterhältigen Absicht, wegen Abwesenheit vieler die Einsprachemöglichkeit zu behindern. Wir können Herrn Zbornik nicht dankbar genug sein für seinen selbstlosen Einsatz, uns vor dem zunehmenden Übel noch höherer Dauerbestrahlung zu bewahren, und die Öffentlichkeit aufzuklären. Seine Rüge an den verantwortlichen Stadtrat Zülle ist weit mehr als berechtigt. Demgegenüber steht die unbefriedigende und wenig überzeugende Replik Zülle's. Geradezu zynisch ist für mich das Argument, gesundheitliche Argumente und Zahl der Einsprachen hätten keinen Einfluss auf den Entscheid des Stadtrates. Gültig seien allein die Einhaltung gesetzlicher Grenzwerte. Nun hatte ja bekanntlich seine Parteikollegin, BRin DL, noch kurz vor ihrem Amtsende die Kühnheit, ungeachtet des schon hohen Prozentsatzes von 10% Strahlungsempfindlichen und des Negativvotums von Ständerat, Ärzteschaft und Umweltverbänden die Grenzwerte gleich um den Faktor 6 zu erhöhen, ein Schildbürgerstreich ohnegleichen. Dahinter scheint mir die Absicht erkennbar, sich nach Amtsende noch ein lukratives Pöstchen in einem Verwaltungsrat eines Unternehmens zu sichern. Daraus ergibt sich: Zuerst Eigeninteressen und erst lange danach das Wohl des Stimmbürgers! Hätte Herr Zülle wohl ähnlich geantwortet, wenn er unter Antennenstrahlung leiden würde und in seiner nächsten Umgebung die Strahlung einer Antenne gar um den Faktor 3 erhöht würde? Dabei existierten ja wirklich alternative Technologien mit weit geringerer Strahlenbelastung. Wenn er seine Hausaufgaben endlich gemacht hätte, ein griffiges Reglement diesbezüglich auszuarbeiten, statt sich herauszureden, dass es mangels Kompromisse sinnlos sei, ein solches zu erstellen, wäre es um Kreuzlingen's Antennenprobleme wesentlich besser bestellt. Um eine klare Antwort, was die Strahlungserkrankten tun sollen, hat er sich ebenfalls gedrückt. Sollen sie in die Wüste geschickt werden, oder für horrende Kosten ihren Wohnplatz gegen Strahlung abschirmen lassen? Von einem Magistraten erwarte ich Zivilcourage und primär den Schutz der Bevölkerung, auch der Minorität der unter Strahlung Leidenden, statt jeden Bocksmist, der in Bern produziert wird, umzusetzen. Das ist kranker Legalismus! Sollen wir uns noch mehr verstrahlen lassen, um Telekom Unternehmen noch mehr Milliarden in ihre Kassen zu spülen, mit entsprechender Erhöhung der CEO Gehälter, und damit auch jeder Erstklässler den ganzen Schund im Internet noch schneller herunterladen kann? Grüne und Alternative werden sich über seine Wahlhilfe freuen!

Ernst Bucher, Physiker, Kreuzlingen