25.07.2019 10:50

Antennenreglement statt Antennenwildwuchs

Stadtrat Zülle nennt es eine Unterstellung, dass es als schäbig empfunden wird, wenn Baugesuche für brisante Mobilfunkantennen ausgerechnet in der Ferienzeit - und erst noch verschleiernd - ausgeschrieben werden, obwohl diese nachweislich schon seit Monaten bei ihm vorliegen. Die langjährige Faktenlage und die Wahrnehmung der Betroffenen sind selbstredend keine Unterstellungen. Es wird deshalb als bedauerlich empfunden, dass er emotionale Angriffe gegen meine Person und die vielen Kritiker des Antennenwildwuchses in unserer Stadt führt.

ufschlussreich ist hingegen sein beschwichtigendes Statement zum noch nicht überarbeiteten Antennenreglement von 2011. Es wurde damals vom Gemeinderat an den Stadtrat zur Überarbeitung zurückgewiesen und nicht abgelehnt. Als Zülle danach selber zum Stadtrat gewählt wurde und das Baudepartement übernahm, hätte er beste Voraussetzungen gehabt, den unzulänglichen Reglementsentwurf selber zu überarbeiten. Leider hat er den Rückweisungsauftrag auf seine eigene Weise interpretiert und bislang nichts unternommen.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass die von ihm erwähnten Grenzwerte von der Industrie initiiert wurden und inzwischen wissenschaftlich und gerichtlich mehrfach belegt ist, dass diese keinen Schutz vor langfristigen gesundheitlichen Schäden bieten. Deshalb wurde Funkstrahlugn bereits 2011 in das internationale Verzeichnis krebserregender Substanzen und Strahlung aufgenommen. Aktuell hätten Stadt- und Gemeinderat in der neuen Besetzung aber die Möglichkeit, das Thema Antennenreglement erneut aufzugreifen und in die laufende Gesamtüberarbeitung des Baureglements und des Zonenplans zu übernehmen. Entsprechende Anleitungen des Bundes und des Kantons liegen dafür vor und der Verein strahlungsfreies Kreuzlingen hat vor etwa zwei Jahren dazu konstruktive Vorschläge beim Stadtrat eingereicht. Unsere Politikerinnen und Politiker sind gut beraten, vorausschauend jetzt etwas gegen den Antennenwildwuchs zu unternehmen und nicht erst dann, wenn wie angekündigt alle 150 Meter ein stark strahlender 5G-Mobilfunksender statt eines nachhaltigen Glasfasernetzes für die Gebäudeversorgung gebaut wird.

Stefan Zbornik, Kreuzlingen