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Monica Beurer Boirar zeigt erstmal, wie man den richtigen Ausschnitt wählt.
1/1 Bild: jus Monica Beurer Boirar zeigt erstmal, wie man den richtigen Ausschnitt wählt.
17.07.2018 14:21

Wichtiges gehört nicht ins Zentrum

Noch bis zum 21. Juli ist die Jubiläumsausstellung «10 Jahre Fotografieren macht Schule» im Foyer des Theaterhaus Thurgau zu sehen. Sie setzt sich mit den Möglichkeiten der Fotografie im Unterricht aus-einander, ist aber auch für alle anderen, die sich gerne mit Bildsprache beschäftigen oder einfach gute Fotos sehen möchten, spannend.

Weinfelden Spätestens mit dem Aufkommen der Digitalfotografie und Handykameras sind wir Non-Stop am Bilderschiessen, denn «ein Bild sagt mehr als tausend Worte», wie es in einem gängigen Sprichwort heisst.

Um mit der dadurch aufgekommenen «Bilderflut» kritisch umgehen zu können und selbst zu erlernen, wie man mit Bildern Geschichten bewusst erzählt, erarbeitete die Pädagogin und Fotografin Monica Beurer, Gründerin des Vereins «Pro Fomaschu», d. h. Fotografieren macht Schule, ein gleichnamiges Lehrwerk. Es dient Lehrpersonen für einen interaktiven Unterricht in Fotografie, gerade auch im Hinblick auf den Lehrplan 21 und Medienerziehung.

Bewusst sehen

Beurer, die selbst früher Workshops für Lehrer im Pflichtfach Fotografie an der Pädagogischen Hochschule Zürich gab, möchte mit ihrem Lehrwerk das Bewusstsein für die Bildsprache schärfen: «Die Logik der Bilder funktioniert über Assoziationen», sagt die Autorin. «Niemand kann einem vorschreiben, was man in einem Bild sieht.» Im Gegensatz zur relativ konkreten Schriftsprache sei die Bildsprache offener. «Dieser Freiraum macht die Fotografie so attraktiv», findet sie. Wie bei jeder Ausdrucksform, muss bei ihr erlernt werden, wie man sie liest und richtig anwendet.

Aktuell ist die Ausstellung «10 Jahre Fotografieren macht Schule» im Theaterhaus Thurgau zu sehen. Sie besteht aus 153 Fotografien von Lehrpersonen, die Foto-Workshops für Schülerinnen und Schüler geben sowie 34 Zitate aus dem Lehrbuch, die aufzeigen, wie man Kinder an das Medium Fotografie heranführen kann.

Im Fokus der Aufmerksamkeit

Die erste und wohl wichtigste Lektion ist, dass die Schüler sich bewusst werden, dass sie beim Fotografieren selektieren. «Indem sie den Bildausschnitt wählen, treffen sie eine Auswahl», so die Pädagogin. Das bedeute, dass man sich mit seiner Umwelt und Wahrheiten auseinandersetzt und daraus Geschichten macht. «Das Bewusstsein für dieses Gestaltungsmittel macht sie kritisch und mündig», erklärt

Von Berühmtheiten lernen

Ausstellungsbegleitend werden mediendidaktische Unterlagen angeboten. Schulklassen können die Jubiläumsausstellung so unter bestimmten Lernaspekten besuchen, die die Lehrpersonen vorab selbst wählen können. «Wenn Kinder beispielsweise die Aufgaben erhalten, nach bestimmten Motiven oder Farben in der Ausstellung zu suchen, schauen sie die Bilder genau an. Mir geht es darum, wie man Kinder auf indirektem Weg dazu führt, dass Lernen mit Freude zu tun hat.»

Auf beinahe spielerische Weise kommen sie in Kontakt mit Grössen aus der Fotografie- und Wissenschaftsgeschichte wie André Kertész, Leonardo da Vinci oder Pablo Picasso, werden an Wahrnehmungspsychologie herangeführt und setzen sich mit der Technik der Apparate auseinander. «Wenn man mit der Technik des Fotoapparats vertraut wird, kann man dieses Wissen dann auch in anderen Bereichen und auf andere Geräte anwenden.»

Judith Schuck

Fotografieren macht Schule

Jubiläumsausstellung: bis 21. Juli, Theaterhaus Thurgau, Mo bis Fr 8 bis 18 Uhr,

Lehrbuch: Monica Beurer: Fotografieren macht Schule. Die Welt entdecken, sehen, fotografisch gestalten, 2006, Schulverlag blmv AG Bern, swch.ch (Hrgs).