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Andy Prinzing, Projektleiter von Lift und Schulleiter der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule und Beat Gähwiler, Präsident der Sekundarschule Weinfelden.
1/1 Bild: jus Andy Prinzing, Projektleiter von Lift und Schulleiter der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule und Beat Gähwiler, Präsident der Sekundarschule Weinfelden.
30.08.2018 17:27

Selbstvertrauen ist der Weg zum Erfolg

Das Gefühl, zur Gesellschaft dazu zugehören und Fähigkeiten zu haben kennen nicht alle Jugendlichen, und für die ist es ein grosser Stein auf dem Weg ins Berufsleben. An der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule startet für diese Zielgruppe ab dem Schuljahr 18/19 das schweizweite Projekt «Lift».

Weinfelden Meist sind es Jugendliche aus Peer-Gruppen, die Schwierigkeiten haben, sich in der Erwachsenenwelt zu bewegen. «Es sind nur wenige, die durch die Maschen fallen: Die Ursache kann im gesellschaftlichen, familiären oder persönlichen Bereich liegen», meint Andy Prinzing, Schulleiter der Thomas-Bornhauser-Sekundarschule und Leiter des Projekts «Lift» in Weinfelden. Er kennt «Lift» bereits aus seiner Zeit als Lehrer in St. Gallen und bringt nun seine Erfahrungen damit in die Weinfelder Schule ein. Beat Gähwiler, Präsident der Sekundarschule, sagt zwar, dass es bereits ein ähnliches Unterstützungsangebot für diese kleine Gruppe gab: «Wir hatten in Weinfelden bisher mit «Step-in» etwas Eigenes, in kleinem privaten Rahmen. Durch ‹Lift› sind wir nun besser aufgestellt und professioneller.» Dennoch könne man von den Erfahrungen mit «Step-in» profitieren.

Vorbereitung auf die Arbeitswelt

Die beiden Pädagogen unterstreichen, dass die Sekundarschule auf das Berufsleben vorbereiten muss. «In der Regel sind es pro Schuljahr eine Handvoll Jugendliche, die in den Genuss vom Angebot des Lift-Projekts kommen», so Prinzing, Jugendliche, die Schwierigkeiten hätten, sich einzugliedern und in der Erwachsenenwelt zu bewegen. Durch die Mitarbeit in einem Betrieb ginge es zunächst darum, Benehmen, Pünktlichkeit, einen höflichen Umgang und Abläufe im Berufsalltag zu erlenen. Bei diesen «Wochenarbeitsplätzen» werden die Jugendlichen 2 bis 4 Stunden pro Woche in einen Betrieb geschickt. «Dieser muss noch nicht mit der konkreten Berufswahl korrespondieren», sagt Prinzing. Hier ginge es darum, die Arbeit zu sehen und die Arbeitswelt kennenzulernen. Die meisten Teilnehmenden würden dadurch einen enormen Zuwachs an Selbstvertrauen bekommen.

Und die praktische Arbeit helfe ihnen auch, ihre schulischen Leistungen zu verbessern. Gähwiler, der auch Berufs- und Laufbahnberater ist, sagt dazu: «Wir von der Behörde haben die Schüler schon lange ‹zum Schaffen› geschickt. Das hat Tradition. Denn die Arbeitswelt wirkt sich positiv auf die Schule aus.» Die SchülerInnen würden sich durch die Praxis bewusst, dass die Theorie eine wichtige Grundlage für später sei.

Der Wille ist gefragt

Mit «Lift» kann ab der ersten Sekundarklasse gestartet werden. Die Arbeitseinsätze müssen die Jugendlichen in ihrer Freizeit absolvieren. «Es handelt sich dabei aber nur um 2 bis maximal 4 Stunden, in denen die Jugendlichen am Arbeitsplatz begleitet werden oder einfache, ungefährliche Arbeiten durchführen», betont Gähwiler, die schulischen Leistungen würden darunter nicht leiden. Pro Stunde erhalten die «Lift-Teilnehmer» eine Vergütung von 5 bis 10 Franken, wodurch sie eine kleine Anerkennung für ihre Leistung bekommen. Bei vielen Jugendlichen passiere hier etwas, sagt Prinzing, das Projekt sei aber natürlich keine Garantie. «Aber ich habe schon ein paarmal erlebt, dass sie richtig aufblühen.»

Bisher wäre man in der Planungsphase gewesen, nun geht es um die Akquirierung von Betrieben, die bei «Lift» mitmachen möchten. Nach den Herbstferien werden geeignete «Lift-TeilnehmerInnen» ausgewählt. Dann kommt erst mal die Theorie. In sogenannten Modulkursen werden die SchülerInnen von SchulsozialarbeiterInnen auf die Berufs- und Erwachsenenwelt vorbereitet.

Ab Anfang 2019 soll es schliesslich in die Betriebe gehen. Ihre Erfahrungen, die sie dort machen, tauschen die SchülerInnen wiederum in den Modulkursen aus. «Dieser Austausch ist wie ein Frühwarnsystem. Falls in den Betrieben irgendetwas nicht mehr geht, erfahren es die SozialarbeiterInnen sofort», sagt Prinzing.

Das Projekt «Lift» sei Präventionsarbeit erster Güte: «Wer jetzt am Arbeitsplatz zurecht kommt, wird später nicht zum Problem», ist Prinzing überzeugt. Die TeilnehmerInnen erhielten zudem ein Zeugnis über ihren Einsatz. «Lift» habe sich schon zu einem Label entwickelt, das einen guten Eindruck macht, sagt er. «‹Lift-Zeugnisse› sind in der Bewerbung ein grosses Plus.»

Judith Schuck

Jugendprojekt «Lift»

Wer sich als Betrieb bei «Lift» beteiligen möchte, kann sich gerne an Andy Prinzing wenden:

a.prinzing@sekweinfelden.ch

Infos zu Lift:

www.jugendprojekt-lift.ch