Archivbild: hru
Die Anfänge, als Primarschulpräsident Thomas Wieland das geplante Projekt erklärte.
1/1 Archivbild: hru Die Anfänge, als Primarschulpräsident Thomas Wieland das geplante Projekt erklärte.
11.09.2018 11:18

Fünf Abstimmungen, ein Rückbau und sehr viel Mut

Am 14. und 15. September wird das neue Primarschulzentrum Elisabetha Hess eingeweiht. Im Interview schaut Thomas Wieland, Präsident der Primarschule Weinfelden, zurück auf die Anfänge, den Schrecken des Baustopps und auf die Freude, eines modernen und zeitgemässen Schulgebäudes.

Ja ganz bestimmt. Wir haben uns alle riesig auf das neue Schulhaus gefreut. Der Moment, an dem wir die neuen Räumlichkeiten der Bestimmung übergeben konnten erfüllt einem mit Freude, Erleichterung und Zufriedenheit. Am besagten Morgen war ich mit dem Hund unterwegs und mir ist sofort aufgefallen, dass an diesem Tag etwas anders ist. Anstelle der unterdessen schon vertrauten Geräuschkulisse einer Grossbaustelle waren jetzt Kinderstimmen zu hören. Die ersten Schülerinnen und Schüler strömten auf den Schulhausplatz und da wurde mir so recht bewusst, dass wir unser Ziel erreicht haben. Anlässlich des Begrüssungsapéros zum neuen Schuljahr mit unseren Lehrpersonen, Angestellten und der Behörde, welchen wir ebenfalls am ersten Schultag im neuen Schulzentrum durchführten, war die Freude und Begeisterung über das gelungene Bauwerk förmlich zu spüren.

In der Chronologie der Baugeschichte steht, dass das Schulhaus-Projekt am 6. November 2010 seinen Anfang nahm. Acht Jahre! Eine lange Planung, die sicher auch nervenaufreibend war.

Sicher brauchte es zwischendurch Nerven, aber wir waren uns von Anfang an bewusst, dass ein neues Schulzentrum nicht innert weniger Jahre realisiert werden kann. Als öffentliche Körperschaft haben wir uns vom Projektwettbewerb bis zu den letzten Arbeitsvergaben an die Gesetze und Bestimmungen des Beschaffungswesens zu halten. Fristen müssen eingehalten und Rekursmöglichkeiten abgewartet werden. Im gesamten Prozess galt es fünf Abstimmungen durchzuführen, je einen für den Planungs-, Wettbewerbs-, Projektierungs-, Land- und Baukredit.

Die jeweils weiterführenden Arbeiten konnten somit erst nach der Zustimmung durch die Stimmbürger angegangen werden. Mit gewissen Verzögerungen muss man bei einem solchen Bauprojekt immer rechnen. Wir waren aber in der glücklichen Lage, dass mit dem bestehenden Schulhaus Schwärze der Schulbetrieb jederzeit möglich war und es nicht primär darauf ankam, ob wir ein Jahr früher oder später ins neue Schulzentrum wechseln konnten.

Die Zeit des Baustopps im März 2016 und der spätere Rückbau wegen Gebäudebewegungen war ein harter Schlag. Wie hat die Bevölkerung darauf reagiert?

Wir haben von verschiedenen Körperschaften und Privatpersonen viele positive Rückmeldungen erhalten. Vor allem der Mut zu diesem Entscheid und die damit verbundene schnelle, offene und transparente Kommunikation wurden von der Bevölkerung gut aufgenommen. Auch heute noch erhalten wir diverse Rückmeldungen, dass der im Frühjahr 2016 gefällte Entscheid der einzig richtige war, um ein qualitativ einwandfreies Schulhaus zu erhalten.

Gemäss Zeitungsberichten kostet die Neuauflage den Steuerzahler keinen Rappen. Die Versicherung hat den Totalschaden bezahlt?

Es ist richtig, dass die Kosten aus dem Schadenfall nicht am Steuerzahler hängen bleiben. Wir bezahlen schlussendlich das, was wir bestellt und jetzt auch erhalten haben. Der vom Stimmvolk bewilligte Baukredit kann somit eingehalten werden. Die Regelung zwischen der Versicherung und dem Totalunternehmer liegt in der Verantwortung des Total-Unternehmers.

Wie sicher ist das Gebäude jetzt?

Das Gebäude entspricht in allen Belangen den heutigen Normen und Vorschriften und erfüllt somit alle sicherheitsrelevanten Ansprüche.

Was ist neu im «Elisabetha Hess» im Vergleich zu anderen Schulen in Weinfelden?

Das Schulhaus hebt sich ab durch das Raumkonzept, die technischen Einrichtungen und der Bauausführung im energietechnischen Bereich. Mit dem gewählten Raumkonzept können wir alle an eine moderne Schule gestellten Ansprüche in den Bereichen Schul- und Gruppenräume, Gemeinschaftsräume und den Räumen für die Tagesschule abdecken. Die Schulzimmer sind miteinander verbunden was einen klassenübergreifenden Unterricht ermöglicht. Die feuerpolizeilich vorgeschriebene Entfluchtung findet bei diesem Schulhaus nach aussen über die umlaufenden Galerien statt. Dies bietet den Vorteil, dass der gesamte Innenraum für diverse Nutzungen zur Verfügung steht. Die Einrichtungen in den Schulzimmern sind auf dem neusten Stand der Technik und erfüllen damit auch die stetig neuen Anforderungen im Umgang mit neuen Medien und IT-Geräten. Energietechnisch erfüllt das neue Schulhaus den Minergiestandard A, ist mit einer Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung ausgerüstet und verfügt über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Erdsonden. Eine Solarthermie liefert Warmwasser und im Sommer wird eine passive Kühlung durch die kühlere Temperatur aus dem Erdreich erzeugt. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Vermeidung von elektromagnetischen Strahlungen gelegt. Die durchgeführten elektrobiologischen Messungen haben gezeigt, dass die Strahlung teils ganz eliminiert oder auf ein Minimum reduziert werden konnte.

Am Samstag, 15. September findet ein Tag der offenen Tür zur Einweihung des Schulhauses statt. Auf was dürfen sich die Besucherinnen und Besucher freuen?

Auf ein wirklich gelungenes und schönes Schulhaus mit interessanten Details. Die Einweihung findet zweigeteilt am Freitag und Samstag statt. Am Freitagabend erwarten wir die Entscheidungsträger, die in den verschiedenen Phasen des Bauprojekts beteiligt waren sowie Gäste aus Politik, Wirtschaft und Schule. Nebst der Besichtigung des Schulhauses können sich die geladenen Gäste auf einen abwechslungsreichen Festakt und ein gemütliches Nachtessen freuen. Am Samstag 15. September, dem Tag der offenen Tür, können die Besucherinnen und Besucher das Schulhaus besichtigen, sich verpflegen oder in der Kaffeestube verweilen und verschiedene Aktivitäten verfolgen. Der offizielle Teil mit kurzen Ansprachen und der Schlüsselübergabe findet um 11 Uhr statt.

Angelina Rabener