Bild: Kurt Peter
Haben das Initiativkomitee «Pro Arbeitersiedlung» ins Leben gerufen: (v.l.) Christian Schroff und Urs Koller.
1/1 Bild: Kurt Peter Haben das Initiativkomitee «Pro Arbeitersiedlung» ins Leben gerufen: (v.l.) Christian Schroff und Urs Koller.
19.09.2018 17:32

«Ein Abbruch könnte den Volkszorn auf sich ziehen»

Ein Referendum gegen die Umzonung im Sangenfeld wurde gewonnen und die Initiative des Komitees «Pro Arbeitersiedlung» für gültig erklärt. Doch das Weinfelder Parlament empfiehlt einstimmig die Ablehnung der beiden Volksbegehren. Enttäuschend für die Initianten, die aber schon nächste Schritte planen.

Weinfelden Gegen eine Umzonung im Sangenfeld, welches den Abbruch der Arbeitersiedlung Thurfeldstrasse bedeutet hätte, wehrte sich im vergangenen Jahr der Architekt Urs Koller im einem Referendum erfolgreich. Zwar kam die Gruppe damals mit ihrem Anliegen durch und die Umzonung wurde von den Stimmberechtigen abgelehnt, die Zukunft der Häuser ist dennoch ungewiss. «Mein Ziel ist es, die Häuser unter Schutz zu stellen und deshalb wurde ein Initiativkomitee gegründet», erklärte Urs Koller damals. Für die Initianten ist klar: Die Siedlung ist nicht nur als Wohnraum in der Form erhaltenswert, sondern ist auch ein wertvolles Stück Geschichte von Weinfelden.

Zusatz: Unterschutzstellung

Vor einer Woche ergänzte das Komitee die Botschaft der beiden Initiativen (Änderung der Gemeindeordnung und Schutz der Arbeitersiedlung) mit folgenden Überlegungen: «Unsere Initiative verlangt den Zusatz ‹Unterschutzstellung von Gebäuden› in Artikel 12 der Gemeindeordnung. Damit zielt sie auf den Ausbau demokratischer Rechte und will die Verantwortlichkeiten breit abstützen – auf mehr als die sieben Entscheidträger des Gemeinderats ...». Doch an der Gemeinderatssitzung letzten Donnerstag empfahl das Parlament die Initiative zum Schutz der Arbeitersiedlung Thurfeld mit 23 (zwei Enthaltungen) von 25 Stimmen abzulehnen und verzichtete auf die Erarbeitung eines Gegenvorschlags. Gemäss einem Artikel in der Thurgauer Zeitung sagte Gemeindepräsident Max Vögeli, dass der Thurgauer Heimatschutz der Gemeinde einen liederlichen Umgang mit der historischen Bausubstanz vorgeworfen habe, «hat aber selber über 30 Jahre nicht gemerkt, dass ihrer Meinung nach etwas unter Schutz gestellt werden sollte.» An das Initiativkomitee gerichtet sagte er, dass es ausserdem fragwürdig sei, wenn man aus heutiger Sicht Entscheide von früher kritisiere und alles besser wisse.

«Uns geht es gut»

Auf Anfrage bei Initiant Christian Schroff zu der Niederlage meint dieser: «Uns geht es gut. Von ‹versenkt›, wie es die TZ formulierte, kann keine Rede sein. Immerhin bezeichnet das Gemeindeparlament die Initiativen als gültig. Die Parlamentarier lehnten die Initiativen einfach nur ab. Was uns allerdings enttäuschte, ist, dass niemand im Gemeindeparlament auf die Sachargumente einging und zum Teil sogar Falschinformationen verbreitet werden.» Denn die Arbeitersiedlung sei im Inventar aufgeführt, wenn auch nicht als schützenswert, sondern bloss als bemerkenswert. Das heisse aber nicht, dass man die Siedlung abreissen könne. Ein Erhaltungsziel sei mit diesem Eintrag klar ausgewiesen. «Es geht um den Erhalt von Weinfelder Kulturgut. Wie man dieses Kulturgut konkret der Nachwelt erhalten soll, ist offen. Wir sind für eine sanfte Renovation», so Schroff. Das Volk habe in der Referendumsabstimmung ein Votum zum Erhalt der Arbeitersiedlung gesprochen und das Komitee stufe die Chancen bei der Abstimmung als intakt ein.

Zum Rekurs des Heimatschutzes bei der kantonalen Denkmalpflege, der abgelehnt wurde, sagt Schroff: «Es ging um einen Rekurs beim Departement für Bau und Umwelt und nicht bei der kantonalen Denkmalpflege. Der Heimatschutz als Verein hatte gegen die Abbruchverfügung des Gemeinderats Rekurs geführt. Wir als Komitee haben keine Einflussmöglichkeiten. Momentan können nur wenige Häuser überhaupt abgebrochen werden, da immer noch Häuser bewohnt sind. Die Meyerhans AG muss selber wissen, ob sie mit einem Abbruch die Volksabstimmung beeinflussen will. Ich könnte mir vorstellen, dass sie den Volkszorn auf sich ziehen könnte.»

Angelina Rabener