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Kräuterfrau Ortrud Steiner zeigt, wie man die Schätze der Natur verwenden kann.
1/1 Bild: jus Kräuterfrau Ortrud Steiner zeigt, wie man die Schätze der Natur verwenden kann.
18.07.2018 00:00

Die Brennessel räumt auf

Vor unserer Haustüre spriessen jede Menge Gesundheitsbomben. Manches Wissen darüber hat man vielleicht noch von der Grossmutter vermittelt bekommen. Kräuterfrau Ortrud Steiner teilt ihre Kenntnisse über Wildkräuter und Unkräuter in ihren Kursen, sodass sie nicht vergessen gehen.

Berg Am auffälligsten ragt die jadefarbene Eselsdistel in die Höhe; bescheiden steht der weisse Gänsefuss bei imposanten Nachtkerzen und pink blühenden Stockrosen. Was bei den meisten Gärtnerinnen und Gärtnern auf dem Unkrauthaufen landet, strotz nur so vor gesunden Inhaltsstoffen. «Der Weisse Gänsefuss hat etwa achtmal so viele Vitamine wie ein Kopfsalat», erzählt Ortrud Steiner bei einem Spaziergang durch ihren Garten. Weisser Gänsefuss ist eine Meldenart, die häufig auf Äckern vorkommt und ähnlich wie Spinat verwendet werden kann.

Ähnlich der Baumtropf, vielen ein Graus im Garten: «Er gehört zu meinen Lieblingsunkräutern.» Der Baumtropf hat denn auch einen speziellen Platz in ihrem Garten, geschützt in einem Rondell. Man kann ihn ebenfalls wie Spinat verwenden oder zu Pesto verarbeiten. Im Salat oder Kräuterquark dient er als würzige Begleitung. Der Baumtropf habe eine entgiftende Wirkung, «ein Fussbad hilft beispielsweise gegen Übersäuerung», sagt die Kräuterkennerin. Obwohl die hellgrünen, ziegenfussförmigen Blätter leicht zu erkennen sind, sollte man trotzdem aufpassen: Der Stengel muss dreieckig sein. Baumtropf gehört zu den weissen Doldenblütlern, von deren Gattung es noch sehr giftige Exemplare wie den gefleckten Schierling gibt. Sein hochpotentes Gift erlangte in Zusammenhang mit der Hinrichtung des antiken Philosophen Sokrates Bekanntheitsgrad durch den Begriff «Schierlingsbecher».

Für Aussen und Innen

«Darum ist es wichtig, nur zu sammeln, wenn man die Kräuter ganz sicher kennt», warnt Steiner, «gerade bezüglich der Dosis.» Häufig brauche man nur wenig von den Blättern, Blüten und Wurzeln. Als Kräuterfrau interessiert sie sich vor allem für die häusliche Verwendung in der Küche, selbst gemachte Kosmetika, Tees oder Räucherwaren. Die Brennnessel ist da ein weiterer, von vielen unterschätzter Liebling: als Salatbeigabe, als Tee oder wie Spinat zubereitet ist sie «ein wahres Potenzmittel für den Organismus», schwärmt sie. Die Brennnessel räume auf durch ihre entgiftende Wirkung und den hohen Vitamin- und Nährstoffgehalt; sie enthält unter anderem sehr viel Eisen. Steiner kennt den Trick, wie man sie direkt gepflückt geniessen kann, ohne sich an ihr zu verbrennen. Aber nicht nur die Menschen, auch Raupen und Bienen profitieren von dem Wunderkraut, als Jauche ist sie ausserdem ein prima Pflanzendünger.

In letzter Zeit etwas in Verruf geraten sind Beinwell, Borretsch und Natternkopf. Beinwell schillert violett, Borretsch und Natternkopf stechen durch ihre strahlend blauen Blüten ins Auge. In sehr hohem Masse verzehrt, schädigen sie der Leber. Darum sollte man sich mit der richtigen Dosierung der Kräuter und Heilpflanzen auskennen. «Es gilt aber im Grunde bei allem, das richtige Mass zu halten.»

Nach einem lehrreichen Spaziergang durch den heimischen Kräutergarten ist der selbst gemachte Lavendel-Melisse-Sirup die richtige Erfrischung und für die äussere Schönheit wirkt das Kornblumengesichtswasser klärend.

Wer sich für die Kräfte der Wildkräuter interessiert, findet hier einen Überblick über das Kursangebot.

Judith Schuck