Was tun, wenn die Krankenkassenbeiträge deutlich steigen?
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1/2 Was tun, wenn die Krankenkassenbeiträge deutlich steigen? Bild: @ rawpixel (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Die Kosten für medizinische Behandlungen steigern weiter an.
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2/2 Die Kosten für medizinische Behandlungen steigern weiter an. Bild: @ DarcoStojanovic (CC0-Lizenz) / pixabay.com
31.08.2018 13:49

Kommende Veränderungen der Krankenkassenbeiträge in der Schweiz

In der Schweiz sind die Krankenkassenbeiträge nicht allgemein geregelt. Jede Kasse kann ihren Beitrag selbst bestimmen und dieser hängt dann noch davon ab, für welchen Kanton er erhoben wird.

Für das kommende Jahr stehen Änderungen an den Beiträgen an und viele Schweizer fragen sich, was sie bei einer Anhebung tun können. Welche Möglichkeiten haben Schweizer Bürger, um bei ihrer Gesundheitsabsicherung zu sparen? Dieser Artikel sieht sich das Thema einmal genauer an.

Beiträge könnten 2019 steigen

Der Grund für die Erhöhung der Krankenkassenprämien liegt an neuen Verordnungen. Grundsätzlich werden die Beiträge zwar jährlich angepasst, wobei die Anpassung von Kanton zu Kanton unterschiedlich ausfällt, doch bewirken diese neuen Verordnungen durchaus grössere Veränderungen:

Eigenbeteiligung - um die Krankenkassenbeiträge zu verringern, können Versicherte stets eines der Krankenversicherungsmodelle wählen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, eine höhere Franchise, die über 300,00 Franken jährlich hinausgeht, zu wählen. Diese Eigenbeteiligung muss jeder Versicherte jährlich selbst übernehmen, sobald er Leistungen in Anspruch nimmt. Dafür zahlt er jedoch geringere Beiträge.

Maximalrabatt - der Prämienanstieg liegt vor allem daran, dass es einen Maximalrabatt geben wird. Bislang konnten Versicherungen einen Prämienrabatt in Höhe von 70 Prozent geben. Ab dem kommenden Jahr gilt jedoch ein neuer Maximalrabatt. So wird der Rabatt zwar bei geringen Selbstbeteiligungen von bis zu 500 Franken angehoben, dafür sinkt er bei höheren Franchisen. Das kann bedeuten, dass einige Versicherte jährlich bis zu 440 Franken mehr für ihre Krankenversicherung zahlen. Anpassung - künftig sollen die Franchisen alle paar Jahre an die Gesundheitsausgaben angepasst. Die jeweiligen Franchisen werden dann um 50 Franken erhöht.

Eine erste Anpassung der Krankenkassenprämien fand bereits im Jahr 2018 statt, dennoch werden die meisten Versicherten einen deutlichen Preisanstieg spüren.

Was können Versicherte tun?

Für Versicherte stellt sich natürlich die Frage, wie sie Kosten sparen können. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, beispielsweise den Wechsel der Krankenkasse. Dies geht wie folgt:

Vergleichen - zuerst sollten Wechselwillige die Angebote der einzelnen Kassen miteinander vergleichen und prüfen, wo sie sparen können. Ein Krankenkassenvergleich bietet dabei einen umfassenden Überblick über die Leistungen und Kosten der einzelnen Anbieter.

Wechselzeit - die Krankenkasse kann immer am Jahresende gewechselt werden.

Kündigung - die Kündigung muss fristgerecht erfolgen. Der Stichtag ist der 31. Oktober. Sollten sich die Prämien zum nächsten Jahr erhöhen, steht Versicherten ein Sonderkündigungsrecht mit einer Frist von einem Monat zu. Hier gilt der 30. November als Stichtag.

Zusatzkündigung - die Grundversicherung mit einer ordentlichen Franchise kann zusätzlich jährlich zum 1. Juli aufgelöst werden. Diese Verträge bestehen aus einer Grundversicherung ohne Ermässigungen und einer Franchise von 300 Franken für Erwachsene betragen. Hier gilt jedoch eine Kündigungsfrist von drei Monaten.

Eine Kündigung ist immer nur dann durchführbar, wenn bereits eine neue Krankenversicherung abgeschlossen wurde. Dies liegt an der Krankenversicherungspflicht. Die neuen Krankenkassen müssen die alte über den Neuvertrag informieren, sodass der alte Vertrag aufgelöst wird. Geschieht dies nicht, bleibt der Versicherte weiterhin bei seiner alten Versicherung versichert. Sollte übrigens noch ein Zahlungsrückstand vorliegen, ist die Kündigung ebenfalls nicht möglich, bis die offenen Gelder überwiesen wurden.

Grundsätzlich gibt es aber auch neben dem Wechsel der Krankenversicherung Wege, günstigere Beiträge zu erhalten:

Verbilligung - Geringverdiener und Schweizer mit geringen finanziellen Möglichkeiten können in ihrem Kanton eine Prämienverbilligung beantragen. Wie hoch das Einkommen sein darf, um noch in den Genuss der Verbilligung zu kommen, hängt vom Kanton ab. Sollte die Verbilligung bewilligt werden, übernimmt der Staat einen Teil der Kosten.

Zusatzversicherungen - auch über die Zusatzversicherungen lassen sich Kosten sparen. Insbesondere für das Tarifmodell der Grundversicherung gibt es diverse Aufstockmöglichkeiten. Hier nutzen aber viele Versicherte Angebote, die überhaupt nicht für sie infrage kommen.

Bei den Zusatzversicherungen gibt es die Unterscheidung zwischen ambulanten Zusatzversicherungen und Spitalversicherungen. Die Inhalte der Angebote sind nicht klar geregelt und die einzelnen Typen können von Anbieter zu Anbieter preislich, aber auch inhaltlich, variieren. Es gilt also, die Tarife genau zu prüfen und zu schauen, ob die gewählten Inhalte wirklich von Interesse sind - oder für einen selbst ausreichend. Grundsätzlich gilt:

Leistungen - viele der Leistungen sind bereits in den Grundtarifen enthalten und somit überflüssig. Werden nun die Ausgaben von Fitnessstudios oder auch für Brillen erstattet, erhält der Versicherte oft keinen Bonus, da die Rechnung auf Null herausgeht.

Arzneimittel - homöopathische Arzneimittel werden oft von den Zusatzversicherungen übernommen. Geht es dem Versicherten jedoch ausschliesslich um diese Kostenübernahme, zahlt er oft höhere Beiträge, als dass Kosten für die Mittel anfallen.

Auslandsschutz - die Grundversicherung trägt auch im Ausland einen hohen Anteil der Behandlungskosten. Da hier jedoch die Schweizer Gebühren genutzt werden und die ausländischen Arztkosten oft unterhalb dieser Gebührenordnung liegen, wird eine eigene Krankenversicherung für den Auslandsschutz nur in wenigen Fällen benötigt. Einzig für Reisen in die USA, Japan, Kanada oder auch Neuseeland zahlt sich dieser zusätzliche Schutz aus.

Generell sollten Versicherte also überlegen, ob sie eine Zusatzversicherung in der Form brauchen, die sie bereits haben. Bei Neuabschlüssen muss angesichts der höheren Kosten in der Grundversorgung durchaus geschaut werden, ob diese Mehrausgaben tragbar sind. Wer die bestehende private Zusatzversicherung kündigen möchte, der sollte sich seinen Vertrag genau anschauen. In der Regel gilt zwar eine dreimonatige Kündigungsfrist zum Jahresende, doch nutzen einige Verträge abweichende Kündigungszeiten. Werden die Prämien erhöht - egal ob durch den Anbieter oder durch den Einstieg in eine andere Altersklasse - besteht ein Sonderkündigungsrecht. Hier beginnt die Frist mit dem Tag, an dem der Versicherte über die Erhöhung in Kenntnis gesetzt wurde. Wie lange die Frist andauert, ist wieder vertraglich unterschiedlich.

Fazit - Krankenkassen vergleichen und Verträge prüfen

In gewisser Weise wird jeder volljährige Schweizer von den neuen Beitragssätzen und Regelungen betroffen sein. Da kann es sich lohnen, die Krankenkassen miteinander zu vergleichen und zum Jahresbeginn zu einer günstigeren Versicherung zu wechseln. Wer allgemein wenig verdient, hat die Chance auf eine Verbilligung. Auch die Überprüfung der bestehenden Zusatzversicherungen kann helfen, künftig Kosten einzusparen.

pd