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Richard Tisserand, Kurator Kunstraum Kreuzlingen, und Daniel Grünauer, Chefdramaturg Theater Konstanz, diskutieren über Kunsträume.
1/1 Bild: jus Richard Tisserand, Kurator Kunstraum Kreuzlingen, und Daniel Grünauer, Chefdramaturg Theater Konstanz, diskutieren über Kunsträume.
05.09.2018 00:00

Kunsträume ohne Grenzen

Ein gemeinsamer Kunstraum Kreuzlingen Konstanz. Was es damit auf sich hat, erläuterte Richard Tisserand, Kurator vom Kunstraum Kreuzlingen, und Daniel Grünauer, Chefdramaturg am Theater Konstanz, am 26. August bei einer Podiumsdiskussion am Hauptzoll.

Kreuzlingen Die Gäste Richard Tisserand und Daniel Grünauer folgten einer Einladung der SP Kreuzlingen und SPD Konstanz. Die beiden Parteien wollten am Hauptzoll mit den Kulturschaffenden über eine mögliche engere Zusammenarbeit diskutieren. Der Ort für die öffentliche Veranstaltung, das stillgelegte Zollamt, das in letzter Zeit immer häufiger für Kulturveranstaltungen genutzt wurde, ist von den Veranstaltern SP und SPD mit Bedacht gewählt worden: Nina Schläfli, SP-Thurgau-Präsidentin, meinte, der Ort sei ideal für kulturelle Events, denn «Kultur sprengt Grenzen». Der Hauptzoll trage den Grenzbegriff in mehrfacher Bedeutung in sich: Zum einen markiere er eine geografische Grenze, zum anderen habe er einen symbolischen Gehalt, als «ein ausgrenzender Ort, der eine Verbindung zwischen Kreuzlingen und Konstanz schafft.»

Gedankenspiele verwirklichen

Durch diese Veranstaltung sollten sich Handlungsfelder auf tun und die Diskussionen zum Nachdenken anregen. «Mentale wie geografische Grenzen sollen überwunden werden», so die SP-Politikerin. Dies könne durch gemeinsame Projekte geschehen, wie mit der Vision des Kurators vom Kunstraum Kreuzlingen, Richard Tisserand, der sich einen gemeinsamen Kunstraum Kreuzlingen Konstanz wünscht. Bevor er seine Idee dazu erläuterte, beantwortete er Schläflis Frage, «welches Kulturprojekt er realisieren würde, wenn Geld keine Rolle spielte?» Tisserand: «Ich würde etwas machen, was beide Städte betrifft.» Geld solle immer erst an zweiter Stelle eine Rolle spielen, an erster Stelle steht die gute Idee.

«Man kann Berge versetzen, wenn man seinen Glauben sichtbar macht», ist er überzeugt, und bringt als Kurator zeitgenössischer Kunst, was das betrifft, einiges an Erfahrung mit. Und so erklärte er den Zuhörern, was seine Idee zu einem gemeinsamen Kunstraum ist: «Ich meine damit keinen reellen, sondern einen virtuellen Raum», sagte Tisserand. Speziell plädierte er für eine künftig stärkere Zusammenarbeit der Institutionen Kunstraum Kreuzlingen und Kunstverein Konstanz. Beiden ist gemeinsam, dass sie jeweils die einzigen Aussteller zeitgenössischer Kunst in den Schwesterstädten sind. «Wenn wir etwas gemeinsam wollen, müssen wir uns zusammentun und kennenlernen.»

Die eigene Identität wahren

Von Konstanzer Seite vertritt Daniel Grünauer die Kulturschaffenden. Er ist seit zwei Jahren Chefdramaturg am Theater Konstanz.

Er spüre eine Nähe zur Schweiz, aber der Raum könnte noch an deutsch-schweizer Profil gewinnen. Dies könne auch durch Kunstprojekte geschehen. Daran, dass es bereits schon erfolgreiche Kooperationen gab, wie beim Konziljubiläum oder den Kunstnächten, erinnerte SPD-Vorstand André Böhning. Das habe gezeigt, dass sich die beiden Seiten da gut befruchteten. Grünauer brachte einen wichtigen Gedanken in die Runde: Grosse Kunst funktioniere hier nicht wie in Berlin, Zürich oder München. «Man muss sich seiner eigenen Identität bewusst sein. Ich glaube, es liegt da noch viel im Verborgenen.» Konstanz und Kreuzlingen müssten zusammen ihr eigenes Ding machen, eigene Ideen umsetzen und Trends schaffen.

Judith Schuck