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Arbeitsagoge Markus Flaig zeigt Seraina Perini Allemann, was er mit seinen Klienten hergestellt hat. Gerd Schmid (hinten) unterstützt ihn seit Oktober mit einer eigenen Werkstatt - hier im Gespräch mit Claudia Öhlen.
1/1 Bild: jus Arbeitsagoge Markus Flaig zeigt Seraina Perini Allemann, was er mit seinen Klienten hergestellt hat. Gerd Schmid (hinten) unterstützt ihn seit Oktober mit einer eigenen Werkstatt - hier im Gespräch mit Claudia Öhlen.
08.08.2018 00:00

Auf einen letzten Tanz

Ihre Handschrift führte das Kulturprogramm der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen zum Erfolg: Ab 2019 warten auf Seraina Perini Allemann neue Aufgaben, und Kultur in der Klinik wird es so nicht mehr geben. Das Gartenfest aber, über die Jahre zur Tradition geworden, wird auch künftig im bewährten Rahmen stattfinden, dieses Jahr am 19. August.

Münsterlingen «Umso ungenierter man darüber redet, desto besser kann man damit umgehen», findet Seraina Perini Allemann, seit 2013 die Kulturbeauftragte der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Damit meint sie das Konzept, Ängste oder Vorurteile gegenüber der Psychiatrie und ihren Krankheitsbildern abzubauen.

Mit dem Kulturprogramm, das sie ab 2014 in enger Zusammenarbeit mit Klinikdirektor Gerhard Dammann alljährlich auf die Beine stellte, kamen ebenso Menschen, die an sich keinen Bezug zur Institution Psychiatrie haben, auf das Gelände und in Kontakt mit den Menschen dort. In den vergangenen zwei Jahren wurde unter dem Motto «Zu Gast in der Psychiatrie» Kultur mit Fachvorträgen verknüpft, was vielen Interessierten eine neue Sichtweise und einen niederschwelligen Zugang zu oft schweren Themen schaffte. «Dieses Konzept ging hervorragend auf», freut sich Perini, fügt aber auch hinzu, dass das Programm 2018 ihr letztes war: «Ich werde mich verändern und die Klinik verlassen», verkündet sie gegenüber den Medien.

Zeit für Veränderung

Diesen Schritt gehe sie aus persönlichen Gründen, «mit ganz fest wehmütigen Augen, aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.» Für sie sei es nun an der Zeit, sich weiterzuentwickeln.

Besonders gerne holte sie den Tanz in die Psychiatrie, der als non-verbales Ausdrucksmittel von Gefühlen, Empfindungen und Ausnahmezuständen für viele aus dem Herzen sprechen kann. Ein letztes Mal stattet im November denn auch das Bundesjugendballett aus Hamburg Münsterlingen einen Besuch ab. Der Auftritt der Tänzerinnen und Tänzer sowie der Workshop mit den Patienten war in den letzten Jahren fester Bestandteil des Kulturprogramms geworden.

Dammann, der ihre Entscheidung bedauert, nutzte diesen überraschenden Einschnitt, um mit seinen Kollegen eine Standortbestimmung durchzuführen: «Die Öffnung der Klinik haben wir in den vergangenen Jahren erreicht. Inzwischen gibt es so viele kulturelle Angebote in der Region, dass wir uns ab 2019 vorerst auf unser Kerngeschäft beschränken.» Fachvorträge und Themen für Angehörige sollen stärker angeboten werden, Tagungen und Symposien wird es weiter geben, und wer gute Ideen habe, könne den GZ-Saal dafür mieten.

Ein Tag im Garten am See

Das Gartenfest, dass über die Jahre immer mehr an Beliebtheit gewann, soll in seinem bewährten Format weiter alljährlich ausgeführt werden. Perini: «Es ist uns gelungen, aus dem Gartenfest ein Generationenfest zu machen.» Wie gewohnt richtet es sich explizit auch an Familien, die ihren Kindern nicht immer alle ihre Träume erfüllen können.

Der Grundgedanke sei, nicht kommerziell zu sein, betont die scheidende Kulturbeauftragte. So gibt es wieder den Kinder-Bon, mit dem man für wenig Geld ein buntes Erlebnisprogramm mit Verköstigung geboten bekommt. Ab 11.30 Uhr heisst es auf dem Gelände am See: Budentreiben. Neben Buchverkauf oder Kunsthandwerk stehen hier die Handarbeiten aus den Werkgruppen der Forensik im Zentrum. Arbeitsagoge Markus Flaig betont, dass das Gartenfest für seine Patienten immens wichtig sei, denn hier könnten sie ihre Produkte öffentlich präsentieren: Es gibt nicht nur verschiedenste Modelle von Boshi-Mützen und bunten Boxen, sondern auch kunstvolle Lampen aus Kalabassen-Kürbissen, Türschilder, Spiele, Holzbänke, Leiterwägen und Liegestühle sowie viele nützliche Utensilien für Küche und Haushalt.

Für diese Patientengruppe sei es extrem wichtig, geregelte Abläufe zu erlernen, wobei die Arbeit in der Holzwerkstatt und die Handarbeit dabei grosse Dienste leistete. Und auf die Ergebnisse kann man wirklich mit Stolz blicken.

Judith Schuck

Gartenfest Psychiatrische Klinik Münsterlingen 2018

10.45 Uhr Ökumenischer Gottesdienst am See mit Gospelchor

ab 11.30 Uhr Kulinarische Leckerein wie Fischknusperli, Wurst, Spaghetti-Plausch und das legendäre Dessert-Buffet, Live-Musik

12 und 14.30 Uhr Theater ab 4 Jahren «Gut gebrüllt Löwe» mit Rahel Wolgensinger und Simon Engeli

17 Uhr Abschluss Gartenfest