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Usama al Shmahni ist Autor und Übersetzer.
1/1 Bild: z.V.g. Usama al Shmahni ist Autor und Übersetzer.
08.08.2018 11:35

Shmahni im Vorstand der AGATHU

Mit Usama Al Shmahni hat der Verein AGATHU (Arbeitsgruppe für Asylsuchende Thurgau), der auch den Cafétreff an der Freiestrasse 28A führt, erstmals einen ehemals Geflüchteten in seinen Vorstand gewählt.

Kreuzlingen Der aus dem Irak Geflohene hat 2002 selber erlebt, wie gut es tut, im Cafétreff wohlwollend aufgenommen zu werden, hier spielen, malen, sich austauschen zu können. Er ist Schriftsteller, heute auch Dolmetscher, publiziert auf Deutsch und Arabisch, arbeitet aber für seinen Broterwerb immer noch in der Mensa des Seminars. Er, der noch nie wählen oder gewählt werden konnte, freut sich über diese neue Aufgabe und AGATHU ist froh, nicht nur über Flüchtlinge zu sprechen, sondern einen Mitverantwortlichen zu haben, der die Erfahrung der Flucht mit all ihren Belastungen selber erlebt hat.

contakt-citoyenneté

Der Cafétreff hat zur Zeit weniger Besucher als üblich – das EVZ (Empfangs- und Verfahrenszentrum) ist zur Zeit nur zur Hälfte belegt. Aber die Arbeit geht deswegen den rund 150 freiwillig Mitarbeitenden von AGATHU nicht aus. Darum auch hat contakt-citoyenneté, ein gemeinsames Förderprogramm der Eidgenössischen Migrationskommission und von Migroskulturprozent, einen Unterstützungsbeitrag von 13'000 Franken gesprochen, der vor allem dem Projekt beat. zugute kommt. Dieses kulturelle Angebot wurde vor drei Jahren von Linda Harzenetter und Fabio Melone ins Leben gerufen und dient der Begegnung zwischen Geflüchteten und Einheimischen. Monatlich findet u.a. ein Fussballspiel sowie das International Dinner statt. An Samstagnachmittagen bereiten die Gäste in der Boje Spezialitäten aus ihren Heimatländern zu und wer die Reise in gefährdete Gebiete scheut, kann hier wenigstens das Essen in einer lebhaften Atmosphäre geniessen. Parallel dazu können Kinder, Jugendliche und Familien unter Anleitung von Hans-Ruedi Müller Nienstedt und weiteren Fachkräften malen und zeichnen.

Persönlich erfahren

Begegnung zwischen Einheimischen und Geflüchteten ist AGATHU generell ein grosses Anliegen. Wer selber mit einem Flüchtling gesprochen und etwas von seinem Leben erfahren hat, wird vorsichtig in allgemein gehaltenen Vorwürfen und Verurteilungen. Darum bietet der Cafétreff gerne kürzere und längere Praktika an und empfängt immer wieder Schul- und Konfirmandenklassen.

Daneben haben auch Leute aus dem Asylbereich, welche den Gemeinden zugeteilt wurden, den Cafétreff als Begegnungsort entdeckt. AGATHU hat deren Bedürfnisse kennengelernt und neue Projekte entwickelt, so eine Lernwerkstatt, Aufgabenhilfen und Patenschaften. IdA, Integration dank Arbeit (ida.agathu.ch), ist ein aufwendigeres Projekt, das zusammen mit Wirtschaftsvertretern aufgebaut wurde. So konnten schon diverse Lehr- und Arbeitsstellen vermittelt werden. Wer nicht jahrelang warten und Trübsal blasen muss, sondern arbeiten kann, leistet der Allgemeinheit einen Dienst und erspart dem Steuerzahler jährlich mehr als 20'000 Franken Sozialkosten.

Traumata aufarbeiten

Eine spezielle Arbeitsgruppe setzt sich mit Verbesserungspotenzial im kantonalen Asylwesen auseinander und nimmt das Gespräch mit den zuständigen Personen auf. Eine weitere nimmt sich dem Problem der psychischen Traumata an. Statistiken zeigen, dass rund ein Drittel aller Geflüchteten psychotraumatisch belastet sind. Die Arbeitsgruppe unter Leitung des ehemaligen Kantonsarztes Max Dössegger will für dieses Problem sensibilisieren und den Zugang zu entsprechenden Therapien fördern.

Am 28. September kommt das begeisternde Flüchtlingstheater Malaika wieder ins evangelische Kirchgemeindehaus Kreuzlingen und führt dort ab 19.30 sein neuestes Stück auf. Man darf gespannt sein.

red