Leserbrief
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27.09.2018 11:45

Zur Vorprüfung des Stadthauses auf der Festwiese

Ein neues Stadthaus auf der Festwiese in der geplanten Dimension und unmittelbar vor der erst im Jahre 2006 eröffneten Dreispitzhalle, unserem schönen neuen Stadtsaal, würde diesen völlig verdecken. Von der Hauptstrasse her würde er gar nicht mehr wahrgenommen. Auch der jahrzehntelang, sorgsam gehütete Freiraum vor der Basilika St. Ulrich wäre dahin. Als der Kredit von 47,5 Millionen mit einem Zufallsmehr von gerade mal fünf mehr Ja- als Nein- und 73 !? ungültigen Stimmen angenommen wurde, war ich sehr überrascht, habe aber das knappe Resultat als Demokrat akzeptiert. Damals wusste ich allerdings noch nicht, wie die Stellungnahme der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege (EKD) vom 8. Juni 2012 genau gelautet hat, die angeblich diesen Neubau auf der Festwiese gutgeheissen haben soll. Das hat sie nämlich am jetzt vorgesehenen Standort gerade nicht. Die Öffentlichkeit wusste zudem nicht, dass der geplante Bau, der nicht dem gültigen Baureglement entspricht, mehrere Ausnahmebewilligungen braucht, die erst noch mit einer anfechtbaren Auflage eingeholt werden müssen. Vor diesem Hintergrund und dem Wissen, dass das Projekt Marktstrasse im Anschluss an das bestehende Stadthaus auf stadteigenem Grund und mit möglichen Bauten bis hin zur Sonnenstrasse sowie einer zentrumsnahen Tiefgarage darunter dem Volk noch nie ausreichend vorgestellt wurde, muss das Abstimmungsresultat jetzt hinterfragt werden. Fast 50  % - oder sind es inzwischen mehr ? - der Kreuzlinger Stimmberechtigten wollen das Stadthaus auf der Festwiese nicht. Darum ist der vor zwei Jahren äusserst knapp gefällte Volksentscheid jetzt so nicht mehr haltbar. Wussten Sie, dass an Stelle des unschönen Autoabstellplatzes auf dem Bärenplatz bereits ein fixfertiges Projekt für eine schön gestaltete Festwiese mit einer Tiefgarage darunter in den Schubladen der Stadt liegt? Übrigens, die Ära von Stadtpräsident Andreas Netzle, der sich für dieses Projekt stark gemacht hatte und unmittelbar danach aus der exekutiven, politischen Verantwortung verabschiedet hat, ist definitiv zu Ende.

Jost Rüegg, Kreuzlingen