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01.10.2018 15:29

Zuerst Bottighofen, dann das Pensum

Gemeinderat Beat Müller hat sich letzte Woche den Bottighoferinnen und Bottighofern als Kandidat für das neu zu besetzende Amt des Gemeindepräsidenten in sehr sympathischer Art und Weise vorgestellt. Er will Gemeindepräsident werden und ist bereit, dafür seine berufliche Tätigkeit aufzugeben.

Das Amt des Gemeindepräsidenten ist allerdings im Moment noch mit einem Arbeitspensum von rund 50 Prozent ausgeschrieben. Meiner Meinung nach kann man solch einer verantwortungsvollen Aufgabe aber mit nur einer Halbtagsstelle nicht gerecht werden. Ein Vollamt, wie es in zahlreichen vergleichbaren Gemeinden praktiziert wird, strebt Beat Müller allerdings nicht an. Seine Erfahrungen aus der Tätigkeit im Gemeinderat und der Beschäftigungsgrad des heutigen Amtsinhabers lassen den Schluss zu, dass ein Pensum von 75 Prozent das Amt ausreichend abzudecken vermag. Damit kann Beat Müller neben dem anspruchsvollen Amt auch etwas Freiraum für seine junge Familie gewinnen, was ihm ganz besonders am Herzen liegt.

Beat Müller will die bewährte, bürgernahe Dorfpolitik weiterführen. Mit der zur Zeit geplanten Mindestpräsenz von 2 ½ Tagen in der Woche im Gemeindehaus ist dies schlicht nicht möglich. Die Dossiers einer Gemeindeverwaltung sind in den letzten Jahren anspruchvoller und komplexer geworden. Viele Entscheide sind Chefsache und werden noch vermehrt Chefsache bleiben. Wer sich für die Bevölkerung einsetzen und die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen will, muss sich persönlich einbringen können. Mit einer 50-prozentigen Beschäftigung, das lehrt die Erfahrung, wird der Chef immer wieder auf die Uhr schauen müssen. Diesen Zeitdruck haben die Bottighofer nicht verdient.

Die Kompetenz für die Festlegung des Pensums liegt weder bei den politischen Vereinigungen noch beim Gemeinderat. Für die Besoldung der kommunalen Behörden ist der Souverän zuständig. Das Volk entscheidet im Rahmen des Budgetrechts endgültig. Wenn wir Beat Müller unsere Stimme geben, so sagen wir ja zu einem Beschäftigungsgrad des Gemeindepräsidenten, welcher weiterhin eine bürgernahe Präsenz ermöglicht. Ich gebe deshalb mit Freude meine Stimme Beat Müller und bitte Sie, das gleiche zu tun. Zum Wohle unserer schönen Gemeinde.

Christa Blessing, Bottighofen