Leserbrief
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08.10.2018 10:42

Schnellschuss aus dem Stadthaus

Der Stadtrat will in Zukunft darauf verzichten, die amtlichen Publikationen in gedruckter Form allen Einwohnern zukommen zu lassen. Der Bürger soll sich diese Informationen selber im Internet holen. Dieser Entscheid ist sehr kurzsichtig, und das in mehr als einer Hinsicht:

  • Im Zeitalter der Mobilität der Bevölkerung muss Ortspolitik immer mehr um das Interesse der Bürger werben. Jeder Weg zum Stimmbürger, den der Stadtrat aufgibt, ist eine verlorene Chance, ihn zu erreichen.
  • Die Printmedien sind ein Forum, ein öffentlicher Raum, ein geistiger “Boulevard“. So wie eine Innenstadt mit jedem Detailgeschäft, das schliesst, an Lebenskraft verliert, so verliert der geistige Boulevard an Blut mit jeder Zeitung, die verschwindet. Am Stadtrat ist es, das ihm Mögliche zu leisten, damit der öffentliche Raum, ob räumlich oder geistig, lebendig bleibt. Hier zu sparen, heisst für eine Gemeinwesen, sich selber die Luft abschnüren.
  • Die Information der Stimmbürger und Steuerzahler betrachte ich als eine Bringschuld, wie das Stimmmaterial, das ich auch nicht abholen muss. Dieser Verpflichtung muss auch ein Stadtrat nachleben. Demokratische Politik muss offen und transparent sein. Die Informationen müssen für jedermann leicht erreichbar sein - ohne dass er sich selber zuerst einen Zugang dazu suchen muss.

    Ich hoffe schwer, dass der Stadtrat auf seinen Entschluss zurück kommt und ihn korrigiert.

    Heinz Schmid, Kreuzlingen