Leserbrief
1/1 Leserbrief
04.10.2018 12:19

"Boulevard" - Wirklich so wichtig?

Was sich in Kreuzlingen um die Hauptstrasse (sogenannter "Boulevard") abspielt, ist inzwischen Trauerspiel und Lachposse zugleich. Das Ganze hat sich mittlerweile auch zu einem eigentlichen Glaubensstreit ausgedehnt. Die einen stilisieren die Verkehrseindämmung zur Glaubensfrage hoch, die anderen prophezeien den Niedergang des Gewerbes mit weniger Verkehr. Wie es bei Glaubensfragen so ist: Man glaubt es - oder eben nicht. Und wie in jedem Glaubensstreit sind dazu auch ein paar ketzerische Fragen erlaubt. Ist für Kreuzlingen die Hauptstrasse (mit Verlaub: nicht gerade hässlich, aber eigentlich auch nicht besonders schön) wirklich so wichtig, um derart darauf zu fokussieren? Ist es für die KreuzlingerInnen wirklich so wichtig, ob das eine oder andere Auto mehr oder weniger durch die Hauptstrasse fährt (vielleicht mit Ausnahme der verschiedenen Wochenendveranstaltungen)? Wäre es vielleicht nicht viel wichtiger, im Hinblick auf eine Verkehrsberuhigung die Verkehrsflüsse im weiteren Zentrumsbereich wieder einmal zu überdenken - unter Einbezug der Hauptstrasse, aber eben nicht nur für diese? Wäre es vielleicht nicht viel wichtiger, die Optik der Zentrumsbelebung auf einen weiteren Zentrumsbereich zu öffnen - beispielsweise hin zum neuen Stadthaus, auf das Geviert zwischen Löwenstrasse, Nationalstrasse und Bahnhofstrasse oder über den Helvetiaplatz hinaus zum Hauptzoll? Wäre es vielleicht nicht viel wichtiger, das Augenmerk vermehrt auch auf die (traditionellen) drei Quartierzentren zu richten, um dort die Lebensqualität gezielt zu fördern? Dies alles führt im Glaubensstreit zu einer Kardinalfrage: Ist die Hauptstrasse wirklich so wichtig, dass es gerechtfertigt ist, politisch und verwaltungsintern Kapazitäten und Ressourcen derart einseitig auf diese zu richten - und damit auch Thematiken zu vernachlässigen, die vielleicht für alle KreuzlingerInnen nutzbringender wären?

Ruedi Herzog, Andreas Hebeisen, Kreuzlingen